David Copperfield – einmal Reichtum und zurück

Der britische Schauspieler Dev Patel ist bekannt aus diversen großen Filmen (Slumdog Millionär, Lion – der lange Weg nach Hause, Exotic Marigold Hotel). Aktuell ist er im Kino zu sehen als David Copperfield. Geboren in London als Sohn indischer Eltern, schlüpft er mit großer Leidenschaft und Hingabe in diese Rolle. Regisseur und Drehbuchautor Armando Ianucci hat ihm ein hochkarätiges Darsteller-Team an die Seite gestellt. Um nur einige zu nennen: Tilda Swinton (Tante Betsey), Hugh Laurie (Mister Dick), Benedict Wong (Mister Wickfield), Ben Wishaw (Uriah Heep).

Weiterlesen

Herzfaden. Roman der Augsburger Puppenkiste von Thomas Hettche

Bereits beim Lesen der ersten Sätze habe ich gespürt – dieses Buch macht etwas mit mir. Die Atmosphäre des Theaters, das kleine Mädchen mit seinem iPhone das heimlich verschwindet …. Verstärkt wurde dieses Gefühl durch die zarten Illustrationen von Matthias Beckmann. Und so tauchte ich mit großer Spannung ein in diese Geschichte, die wie ein Märchen beginnt. Ich drosselte mein gewöhnliches Lesetempo, um die Welt des Marionettentheaters zu betreten.

Weiterlesen

Berlin Alexanderplatz – Filmstart am 16.07.

Berlin_Alexanderplatz_Filmplakat

In dem Roman “Berlin Alexanderplatz” von Alfred Döblin (erstmals erschienen 1929) versucht Franz Biberkopf ein guter Mensch zu sein. Auch wenn er fällt, er steht immer wieder auf. Gerade entlassen aus einer vierjährigen Haft im Gefängnis Tegel, bewegt Franz sich durch das Berlin der späten Zwanziger Jahre. Gerade lese ich den Roman ein zweites Mal. Und bin erneut fasziniert, berausche mich an Döblins Art, dieses chaotische, schmutzige, von Baustellen durchzogene Berlin zu beschreiben. Wo gerade die Untergrundbahn gebaut wird und die Elektrischen über den Alexanderplatz durch die Münzstrasse und zum Rosenthaler Tor fahren. Wo überall Häuser sind voller Menschen. Dieses Berlin der Hinterhöfe, der Eckkneipen und dem Biergarten “Neue Welt” in der Hasenheide.

Zwei große Regisseure haben “Berlin Alexanderplatz” bereits verfilmt und sich am originalen Text Döblins orientiert. Piel Jutzi drehte 1931 einen Spielfilm mit Heinrich George in der Hauptrolle. Rainer Werner Fassbinder machte 1979/80 aus dem Stoff eine 13-teilige Serie mit Günter Lamprecht als Franz Biberkopf.

Ein Filmepos mit einer Länge von 184 Minuten startet nun am 16. Juli in den deutschen Kinos.
Und das Muster – ein guter Mensch zu sein – zieht sich auch durch die neue Bearbeitung des Romans von Regisseur Burhan Qurbani. Den historischen Stoff benutzend, verlegt er die Geschichte ins heutige Berlin. Sein Franz Biberkopf heißt Francis B. und kommt aus Guinea. Weiterlesen

Franziska Hauser. Die Glasschwestern

glasschwesternDunja und Saphie sind Zwillingsschwestern. Bisher gab es in ihren Leben selten Übereinstimmungen. Bis zu jenem Tag im Januar, als beide eine Todesnachricht erhalten. Dunjas Mann Winne hat sich beim Sturz vom Baugerüst das Genick gebrochen und Saphies Mann Gilbhart erlitt einen tödlichen Herzinfarkt auf dem Hometrainer.
Während Dunjas Trauer nicht allzu groß ist, da sie seit einiger Zeit von Winne getrennt lebt, ist Saphie zumindest irritiert und verwirrt. Gemeinsam mit Gilbhart hatte sie das kleine Hotel im Dorf ihrer Kindheit geführt. Die Ehe war nicht mehr allzu glücklich, ihr Mann hatte ein Alkoholproblem und war keine wirkliche Hilfe. Doch nun steht sie komplett allein da. Da taucht Dunja mit ihren erwachsenen Kindern Augusta und Jules auf, um im Hotel vorübergehend zu wohnen. Weiterlesen

Pierre Jarawan. Ein Lied für die Vermissten

jarawanEine Lesung mit Pierre Jarawan ist ein echtes Event, das man keinesfalls verpassen sollte. 2016 war ich zu der Präsentation seines Debüts “Am Ende bleiben die Zedern” in der Buchhandlung ocelot. Parallel zu seinen Geschichten über den Roman, über Beirut und den Libanon zeigte er eine spektakuläre Diashow. Schnell wurde klar – der Libanon ist ein aufregendes schönes Land voller Gegensätze. Da es so klein ist, kann man morgens in den Bergen Skilaufen und abends am Strand liegen und aufs Meer schauen!
Seitdem sind vier Jahre vergangen. Momentan finden keine Lesungen statt, ich habe aber Pierre Jarawan ein paar Fragen geschickt. Zuerst wollte ich wissen, ob ein Besuch des Libanon weiterhin lohne.
Ja, das würde es unbedingt, hatte er mir vor ein paar Tagen geantwortet. Auch wenn es aktuell natürlich schwierig sei – aber das Land ließe sich sehr leicht bereisen und hätte von Nachtleben bis Kultur und Natur viel Umwerfendes zu bieten. Weiterlesen

Dankbarkeiten von Delphine de Vigan

de_vigan_dankbarkeitenMischka hat einmal als Korrektorin einer großen französischen Zeitung gearbeitet – heute fühlt sie sich “zerlöchert” und “ausgeschöpft”.
Worte und Erinnerungen entgleiten ihr, fallen ihr nicht mehr ein. So kommt es dann, dass sie “Das ist nicht nötlich” oder “Nein, dante” sagt. Sie ist dabei allerdings bei vollem geistigen Bewusstsein. Mischka spürt also, dass sie etwas verliert. Sie leidet an beginnender Aphasie – aus dem Griechischen übersetzt bedeutet es “Sprachverlust, ohne Sprache sein”. Weiterlesen

Marianengraben von Jasmin Schreiber

Marischreiber_marianengrabenanengraben ist eine rasant erzählte Geschichte mit extrem emotionaler Tiefe und einem gekonnten Mix aus Trauer und Fun. Es steckt außerdem sehr viel Lebensweisheit in diesem Roman der sehr jungen Autorin, deren Themen auch Sterbehilfe und Sterbebegleitung sind.
Erschienen ist das Buch zufällig gleichzeitig mit dem Urteil in Karlsruhe Ende Februar, welches selbstbestimmtes Sterben ab sofort möglich macht. Beihilfe zur Selbsttötung ist nicht mehr verboten.
Jetzt würde ich mich gern sofort mit Jasmin Schreiber zu diesem Thema unterhalten, denn aus dem Klappentext weiß ich – sie arbeitet ehrenamtlich als Sterbebegleiterin. Diese Erfahrung spürt man. Weiterlesen

John von Düffel. Der brennende See

Düffel_Der_brennende_See_CoverWenn eine Tür sich schließt, öffnet sich immer eine nächste … diese Weisheit ist für mich Realität geworden.

Gestern früh habe ich die wundervolle Buchhandlung ocelot in Berlin Mitte als neue Kollegin im Team betreten. Hier werde ich zukünftig an einigen Tagen pro Woche arbeiten. Den anderen Teil der Woche werde ich in der Charlottenburger Buchhandlung der divan sein.

Vor einigen Wochen saß ich noch als Gast in der ersten Reihe im ocelot und stellte mir vor, wie es sein würde, hier zu arbeiten … nun liegt ein erster glücklicher Tag hinter mir. Es war am Abend des 28. Januar und John von Düffel stellte in einer Vorpremiere seinen Roman Der brennende See vor.
Und weil es ein paar Fragen gibt, die ich ihm an jenem Abend gern gestellt hätte, dies aus Zeitgründen aber dann doch nicht getan habe, beantworte ich sie mir hier einfach selbst: Weiterlesen

Ann Petry. Die Strasse

petry_die _strasseEgal, ob Lutie Johnson zu Fuß durch New York City hastet oder mit der Subway von Downtown Manhattan nach Harlem fährt – immer ist man mitten drin mit ihr in dieser aufregenden einzigartigen Metropole. Vor dem inneren Auge den Stadtplan New Yorks:

Ein kalter Novemberwind jagte durch die 116th Street. Er rüttelte an Mülltonnendeckeln, saugte Rollos aus halboffenen Fenstern und klatschte sie von außen gegen die Scheiben, und er vertrieb zwischen Seventh und Eight Avenue fast alle von der Straße, bis auf ein paar gehetzte Passanten (Seite 7).

Atmosphärisch und geradezu filmisch beginnt dieser Roman. Er bleibt es bis zum letzten Satz. Und hat man diesen schließlich gelesen, muss man sich eingestehen, dass das Ende unerwartet bitter ist (mit einem winzigen Lichtblick, immerhin). Doch es sind die 40er Jahre in Harlem in New York City. Was hatte ich erwartet? Weiterlesen

Herta Müller. Atemschaukel

müller_atemschaukelIn den vergangenen Tagen haben wir besonders intensiv an Auschwitz und an die Befreiung des Lagers am 27. Januar 1945 gedacht.
Ein weiteres trauriges Kapitel in der Geschichte Europas hat sich ebenfalls vor 75 Jahren ereignet – unzählige Kilometer entfernt im tiefsten Osten der ehemaligen Sowjetunion. Wieder rollten Güterzüge voller Menschen in Lager zur Zwangsarbeit in die Ukraine und den Ural. Diesmal auf Anweisung Stalins.
Herta Müller erzählt darüber in ihrem Roman Atemschaukel  in atemberaubenden und sprachgewaltigen Bildern. Unzählige dunkle Stunden verbringe ich in meiner warmen Wohnung, stumm und voller Demut lausche ich der Stimme von Ulrich Matthes, der eindringlich und grandios diesen Roman liest. Weiterlesen