Imbolo Mbue. Das geträumte Land

mbue_das_getraumte_landEinige Tage lang habe ich vier außergewöhnliche Menschen durch New York begleiten können. Es wurde geliebt und gelacht, getrunken und gestritten. Ich habe viel erfahren über Familie und Zusammenhalt in schweren Zeiten. Wo es manchmal einfacher gewesen wäre, wegzulaufen oder sich für immer zu trennen. Es wurden Entscheidungen mit enormem Weitblick getroffen, die ich gar nicht erwartet hatte und die dann doch einleuchtend waren. Das geträumte Land hat mich am Ende sehr überrascht. Irgendwie hatte ich ganz eigene Vorstellungen und Wünsche für die Story. Und ganz besonders für Neni Jonga …  Weiterlesen

Wut und Rebellion. Fatma Aydemir und ihr Debüt „Ellbogen“

aydemir_ellbogenEs ist so da und es ist so heftig, dass man es fast anfassen kann. Wut. Meine ist so groß, dass sie nicht in mich hineinpasst. Sie droht meine Haut zu sprengen, mich von innen aufzufressen und wieder auszuspucken … Gül holt endlich die Ballerinas aus ihrer schweren Tasche, schmeißt sie heftig auf die deutschen Pflastersteine (S. 114).

Hazals Wut ist die Wut einer Achtzehnjährigen. Stunden, bevor es zu der gerade geschilderten Situation kommt, ist da schon ein Stechen, später ein Pochen im Kopf, weil Hazal mal wieder voller Hass auf ihre Mutter ist. Die ihr mit ihren ewigen Forderungen nach heißem Çay – begleitet vom Klingeln des Löffelchens im leeren Glas – extrem auf die Nerven geht. Irgendwann tief in der Nacht ist es dann nur noch totaler Kontrollverlust und krasse Wut. Eine Wut, die ihr Ventil in brutaler Gewalt gegen einen ahnungslosen deutschen Studenten findet. Weiterlesen

Freundschaft bedeutete, sich geehrt zu fühlen …

yanagihara_portrat… dass man einen anderen in seiner größten Verzweiflung auffangen durfte, und zu wissen, dass man selbst in seiner Gegenwart verzweifelt sein durfte (Seite 303).

Yanagiharas Roman ist ja ein ganz großes Buch über Freundschaft, ein Buch über das man mit guten Freunden reden will (und sollte). Ich möchte Euch daher an dieser Stelle ein Gespräch mit zwei befreundeten Buchhändlerinnen empfehlen. Maria von der Buchhandlung ocelot, die Klappentexterin und ich spürten, ohne dieses gemeinsame Reden funktioniert Yanagiharas Roman einfach nicht.  Hat das Lesen des Buches uns 100 % glücklich gemacht? Ist es eine Story mit Hoffnung auf ein Happy End? Wieviel Schmerz darf eine Autorin ihren Lesern zumuten? Wir  waren uns nicht immer einig. Ganz besonders, als es um den Schmerz und die Düsternis in der Story ging. Maria sagt in dem Gespräch sogar, ich habe das Buch einmal entsetzt gegen die Wand gepfeffert, ich glaube, es löst in vielen Leuten was Tiefes aus. Stimmt schon – manchmal war auch ich verzweifelt, brauchte ein Glas Wein oder einen langen Spaziergang, um Judes Geschichte weiter lesen zu können.

Einig waren wir uns allerdings darin – es ist ein ganz großes Buch, möglicherweise DAS Buch des Jahres. Und ganz sicher ein Buch, über das alle sprechen wollen, die es lesen. Nachzulesen im Literarischen Talk. Weiterlesen

An elephant can glow in the dark … good news? Martin Suter. Elefant

suter_elefantEin Gedanke lässt Martin Suter seit etwa 10 Jahren nicht los: Dass es gentechnisch möglich sei, einen winzigen rosaroten Elefanten zu erzeugen. Er beginnt, Fachleute zu den Gefahren und zu den Chancen der Gentechnik zu befragen, erfährt Erstaunliches und findet ganz nebenbei die Inspiration zu einer neuen Geschichte. Dieser Geschichte. Und die ist alles andere als rosarot! Sie hat mich erschüttert und gleichzeitig total glücklich gemacht. Und, ganz klar – der kleine Elefant Saba hat mein Herz im Sturm erobert. Mein hundertprozentiges Mitgefühl allerdings auch.  Weiterlesen

Nächte totenstill und totschwarz – McCarthy. Die Straße

mccarthy_die_strasseEigentlich wollte ich das traurige Jahr 2016 mit diesem düster-melancholischen Buch beenden. Wie passend, hatte ich mir gedacht. Ich begann mit dem Lesen. Düstere Endzeitstimmung! Mir fehlte dann doch die Kraft …
Heute ist der 22. Januar und das Buch liegt neben mir. Ja, ich habe es nun ausgelesen, wollte wissen, wie es endet. Diese Vater-Sohn-Geschichte hatte mich irgendwie vom ersten Satz an berührt und einfach nicht losgelassen. Wie sich beide durch dieses völlig zerstörte und in Asche gehüllte Amerika schleppen. Keine Sonne. Nur graue Tristesse. Die Nächte totenstill und totschwarz. So kalt. (S. 241).
Der Plan, nach Süden ans Meer zu gehen sowie die damit verbundene Hoffnung, geben Vater und Sohn Kraft. Ob das Meer blau sei, fragt der Junge. Der Vater weiß nur, dass es früher blau war. Früher, als es noch Möwen und Fische gab –  Weiterlesen

Galagos-Äffchen und Pfeiffrösche – Willkommen bei den Terranauten

boyle_terranautenEgal ob Wassermusik, Ein Freund der Erde oder Der Samurai von Savannah – immer lese ich T.C. Boyle dann am liebsten, wenn er die Geschichte seiner Figuren mit außergewöhnlichen Naturereignissen verknüpft. Er ist ein Meister im Beschreiben von kreischenden Affen, krabbelnden Insekten und fiesen Schlangen. Von Schlingpflanzen, Schlamm und Sümpfen. Und er ist ein Meister darin, seine Helden in richtig fiese und total verrückte Situationen zu bringen – den Forscher Mungo Park in Afrika genauso wie den militanten Umweltschützer Ty in Kalifornien oder den Japaner Hiro Tanaka in den Sümpfen von Georgia. Oft geht es in seinen Romanen um die magische Verstrickung des Menschen mit der Natur – und wie hilflos wir ihr bei allem technischen Fortschritt doch ausgeliefert sind.

Nach einen Roman wie Die Terranauten, in welchem die Natur wieder absolut dominantes Thema ist, habe ich mich also direkt ein bißchen gesehnt. Es ist, als würde Boyle sagen: Hereinspaziert! Willkommen in meiner Welt. But, attention, please. Nothing in. Nothing out!

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Über Bücher, Bookstores und schöne Zufälle

Im Dezember schaue ich auf meinem Sofa bei Tee und Gebäck gern ältere Filme, die ich bereits kenne. Sie bewegen mich jedes mal neu. Am liebsten sind mir Geschichten, die mit Büchern und/oder kleinen Buchhandlungen/Antiquariaten zu tun haben. Drei meiner absoluten Favoriten sind deshalb:

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