Norwegian Short Stories (2). Books, crime & more

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Bin ich in einer fremden Stadt, muss ich in mindestens eine Buchhandlung schauen. Mit Ellen von NORLA waren wir in diversen und sehr verschiedenen Buchläden. Ich habe dabei erfahren, dass es fast keine unabhängigen Buchhandlungen gibt in Norwegen. Die meisten Shops gehören zu einer Kette wie NOTABENE oder NORLI LIBRIS (dazu in einer späteren Story).

Der Cappelen Damm Forlag praktiziert eine weitere interessante Möglichkeit, indem er eine Buchhandlung direkt ins Haus mit verlagseigenen Büchern integriert.
Zehn interessierte Buchhändler*innen schlendern also durch Oslo und stehen kurze Zeit darauf sprachlos in einer hochmodernen Buchhandlung, an welche sich – nur getrennt durch Glasscheiben – direkt die Verlagsbüros angliedern …  Weiterlesen

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Norwegian Short Stories (1). In the wood

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Henrik Ibsens Gate. Oslo

Ich erinnere mich gut an ein Telefongespräch im Frühling 2018, als ein netter Verlagskollege mich fragte, ob ich Lust hätte, für drei Tage nach Oslo zu reisen – auf Einladung von NORLA – Norwegian Literature Abroad.
Als ich zögerte (ist Norwegen im September nicht ganz schön kalt?), sagte er: „Jacqueline! Drei Tage Oslo, da wirst du doch dabei sein wollen!“ Okay, das stimmt eigentlich!

Und jetzt war ich gemeinsam mit 9 deutschen Buchhändler*innen dort und bin noch ganz verzaubert. So viele Eindrücke, tolle Menschen und Bücher. Das passt ja nie in einen Beitrag, hab ich mir gedacht. Also schreibe ich alles in Form kurzer Stories hier auf und erzähle Euch Tag für Tag von meinen Erlebnissen. Völlig ohne Chronologie. Einfach nach Gefühl.  Weiterlesen

Maya Angelou. Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt

Marguerite Johnson ist ein schwarzes Mädchen, das mit seinem Bruder Bailey in den Südstaaten bei der strengen aber liebevollen Großmutter, der Momma, aufwächst. Als sie 1940 ihr Abschlusszeugnis für die 8. Klasse bekommt, ist sie gleichzeitig hoch erfreut und zutiefst betrübt. Denn sie weiß, dass sie als Schwarze in Amerika keine Chance auf einen guten Beruf hat und vielleicht nie haben wird … Weiterlesen

„Nehmen wir uns vor den Menschen in Acht“ – Olivier Guez und sein Roman über Josef Mengele

guez_das_verschwinden_des_josef_mengeleEin Ozeandampfer pflügt 1949 durch das schlammige Flusswasser von Buenos Aires. Allein an der Reling: Helmut Gregor. Später wird er weitere Namen tragen, wird sich Wolfgang Gerhardt oder Onkel Pedro nennen – doch er ist immer Josef Mengele, der ehemalige Lagerarzt vom Vernichtungslager Auschwitz. Ihm ist die Flucht aus Deutschland gelungen.
Atemlos lese ich, wie er in Argentinien ankommt, wie er unterstützt und hofiert wird. Von Diktatoren wie Perón, von Politikern und Sympathisanten. Auch seine Familie in Deutschland sorgt für tiefste Geheimhaltung – noch lange nach seinem Tod. Sohn Rolf hofft, dass irgendwann die Zeit Mengele verschlingen würde. Eine unsinnige und absurde Hoffnung. Menschen wie Mengele verschwinden nicht einfach so aus dem kulturellen Gedächtnis.

Olivier Guez ist das große Wagnis eingegangen, diesen Roman zu schreiben, uns von der Zeit Mengeles in der Emigration zu erzählen. Weiterlesen

Minna Rytisalo. Lempi

rytisalo.lempiIm Roman Lempi erzählt Minna Rytisalo eine geheimnisvolle Geschichte, welche dank der verschiedenen Erzählperspektiven auch noch extrem spannend zu lesen ist. In drei Teilen nämlich erinnern sich Ehemann Viljami, Magd Elli und Lempis Schwester Sisko an sie. Und während Viljami voller Wärme und Liebe von ihr spricht, sind Ellis Gedanken voller Neid und Eifersucht. Lempi selbst ist zwar komplett abwesend, dank der Gedanken der anderen jedoch sehr präsent.  Weiterlesen

Zwischen Verrücktheit und Wahnsinn – Lisa Halliday und ihr Roman Asymmetrie

img_4058Oft entscheide ich nach einem kurzen Blick auf den Anfang eines Romans – will ich das sofort lesen oder versuche ich es später erneut. Bei Lisa Halliday war klar: Lesen! Jetzt! Allein das coole Cover mit der zersplitterten Ansicht von New York fasziniert mich. Schließlich packt die Geschichte um die 25-jährige New Yorker Lektorin Alice und den viel älteren Autor Ezra Blazer mich mit den ersten Sätzen:

Alice wurde es langsam leid, so allein herumzusitzen und nichts zu tun zu haben: Immer wieder mal warf sie einen Blick in das Buch auf ihrem Schoß, doch es waren fast nur lange Absätze und keinerlei Anführungszeichen darin, und was lässt sich schon mit einem Buch anfangen, dachte Alice, in dem es keine Anführungszeichen gibt?
Daher überlegte sie gerade (so gut es eben ging, denn es war nicht ihre Stärke, Dinge zu Ende zu bringen), ob sie wohl eines Tages selbst ein Buch schreiben sollte … (Seite 11).

Ihre Gedanken werden unterbrochen, als ein Mann mit Eiswaffel auf sie zu tritt und ein Gespräch mit Alice beginnt. Es ist der bekannte amerikanische Autor Ezra Blazer. Er ist 72 Jahre alt. Weiterlesen

Die Faye-Trilogie

Etwas Außergewöhnliches ist passiert. An einem ganz gewöhnlichen Samstagmorgen im KulturKaufhaus Dussmann hole ich den neuen Roman und somit letzten Teil der Trilogie von Rachel Cusk aus den Bücherkisten und spüre, dass diese Autorin mich regelrecht „ruft“, als würde sie sagen Lies mich!

Und weil ich diese magische innere Stimme nicht das erste Mal höre, kaufe ich In Transit, verbringe mein Wochenende mit Faye und habe das Gefühl, eine neue Freundin zu haben. Das ging mir auch so mit Joan Didions Süden und Westen oder mit Chris Kraus und ihrem Buch I love Dick.  Weiterlesen