Tom Hillenbrand und seine kulinarischen Krimis mit Xavier Kieffer / 1. und 2. Fall

Tom_HillenbrandAls Buchhändlerin im Weihnachtsgeschäft rauschen die letzten Tage vor Weihnachten rasant an mir vorbei und ich habe in den Zeiten dazwischen gerade noch Zeit und Muße für einen richtig guten Krimi. Unterhaltend, spannend und extrem kulinarisch sind diese Krimis aus der Welt der Restaurants und der großen Küchen von Tom Hillenbrand. Nicht ganz unwichtig beim entspannten Lesen im Morgengrauen oder am Abend auf dem Sofa, ist die regelmäßige Begegnung mit dem sympathischen Xavier Kieffer aus Luxemburg. Der hat nach jahrelangem Stress als Sternekoch ein kleines Lokal mit nationalen Spezialitäten eröffnet. Malerisch gelegen und mit schönem Blick auf die Stadt, ist es gut besucht, das „Les Deux Eglises“. Es befindet sich in einem alten Festungsgebäude aus dem 19. Jahrhundert mit Holzschindeldach und Schießscharten. Alles atmet irgendwie Tradition und Gemütlichkeit. Selbst der das Internet verfluchende Kieffer ist ein bißchen „old school“, bis er eines Tages erkennen muß, dass zu einem gut besuchten Lokal eben auch ein funktionierendes WLAN gehört.

Seine Gäste beglückt Kieffer mit moselfränkischer Küche und kocht nur das, was er selbst auch essen mag. Die abgedrehte Sternenküche mit ihren kulinarischen Monstrositäten verachtet Kieffer zutiefst und bevorzugt mittlerweile leckere luxemburgische Gerichte wie Huesenziwwi (Hasenpfeffer), Bouneschlupp mat Mettwurscht (Bohnensuppe …) und süßes Quetscheflud (Zwetschgenkuchen). Gern auch mal ein Stück frisches Brot mit Käse. Niemals aber ohne einen gut gekühlten Wein aus seinem Keller und einer Zigarette der Marke Duval!

TeufelsfruchtObwohl die Uhren hier in den Bergen irgendwie langsamer zu ticken scheinen, spüre ich latent Spannung … und gleich auf den ersten Seiten von Teufelsfrucht geschieht ein Mord. Ein Gastrokritiker stürzt während des Menüs im „Deux Eglises“ tot zu Boden. Xavier Kieffer steht anfangs unter Mordverdacht und um seine Unschuld zu beweisen, beginnt er selbst zu ermitteln. Dabei gerät er in Lebensgefahr. Bei seinen Recherchen stößt er auf eine exotische Frucht aus dem südamerikanischen Dschungel mit unvorstellbarer Wirkung. Und er begegnet Valérie, einer französischen Gastrokritikerin mit bestem Ruf. Parallel zur Krimihandlung entwickelt sich zwischen den beiden eine aufregende kleine Lovestory mit ungewissem Ausgang.

Rotes_GoldUnd so freut es mich ungemein, gleich am Anfang von Rotes Gold an der Seite von Xavier die sportlich jugendliche und sehr schöne Valérie wieder zu treffen. Beide sind auf einem luxuriösen Gala-Dinner im Louvre, wo der berühmte japanische Koch Mifune vor den Augen seiner Gäste ein außergewöhnliches Sushi-Menü zubereitet, um es dann zu servieren. Noch während des Kochens jedoch bricht Mifune zusammen und stirbt Stunden später an einer schweren Vergiftung.

Wieder ermittelt Kieffer eigenmächtig und taucht tief ein in die Welt der Sushi-Köche und der wilden Jagden nach dem letzten  Roten Thun, dem vom Aussterben bedrohten Thunnus thynnus. Geldgierige Händler, brutale Fischjagden, die sizilianische „Mattanza“, grausige Züchtungen, hormoninfizierte Fische … dieser Krimi ist ein hartes Stück. Das muss man wirklich aushalten können! Und ich frage mich, kann ich je wieder unbefangen Sushi essen?

Hillenbrand hat das alles sorgfältig recherchiert, wie er im Nachwort erklärt. Und ich ahne, er weiß sehr gut, wovon er spricht. Oft ist die reale Welt ja noch viel grausamer, als die Phantasie eines Krimiautors. Geboren 1972, hat Tom Hillenbrand jahrelang als Journalist und Reporter gearbeitet. Wie sein Xavier Kieffer ist auch er im echten Leben ein begeisterter Koch. Allerdings nur in seiner Freizeit. Ein Hobbykoch eben, der noch dazu wahnsinnig gut schreiben kann. Und mich neugierig macht auf den 3. Fall mit Kieffer. Weil ich bei Hillenbrand einen so guten Mix bekomme aus hochprozentiger Spannung mit einem guten Schuss Realität, einer Prise Phantasie und einer winzigen Messerspitze Liebe. Das  alles perfekt abgeschmeckt und serviert als gut lesbarer Krimi, der zusätzlich Lust darauf macht, zu kochen oder mal wieder ganz elegant essen zu gehen in ein feines Restaurant. Vegetarisch beispielsweise.

Für seinen nächsten Roman hat Hillenbrand sich allerdings ein historisches Thema gewählt. Sein Abenteuerroman „Der Kaffeedieb“ erscheint im März 2016 im Verlag Kiepenheuer & Witsch und wird mich entführen ins 17. Jahrhundert ins Reich der Osmanen. Ein junger Engländer auf der Jagd nach der gerade in Europa entdeckten Droge Kahve. Werde ich danach Kaffee überhaupt noch mögen? Oder werde ich ihn vielleicht sogar ganz besonders zu schätzen wissen – meinen frisch aufgebrühten Kaffee am Morgen?!

Tom Hillenbrand:
Teufelsfrucht. Xavier Kieffers erster Fall. Verlag Kiepenheuer & Witsch. Köln 2011. 300 Seiten. 8,95 €
Rotes Gold. Xavier Kieffers zweiter Fall. Verlag Kiepenheuer & Witsch. Köln 2012. 348 Seiten. 8,99 €

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