American War – düster, melancholisch und voll flammender Kraft

el_akkad_american_warBeim Lesen von American War stellt sich bei mir das Gefühl ein, alles sei ganz ohne Farbe. Als würde ich einen alten Schwarz-Weiß-Film mit braunen Tönungen schauen. Da ist immer wieder das morastige Wasser des nahen Flusses, da ist die Hütte der Familie Chestnut (selbst die tropfende Wäsche auf der Leine besteht aus unauffälligen Kleidungsstücken in weiß und beige), da sind die trostlosen Weiten Amerikas. Kein Grün. Kein Leuchten. Keine Hoffnung. Es ist das Jahr 2074 und zwischen den Nord- und den Südstaaten Amerikas herrscht Krieg. In all dieser Tristesse leuchtet eine kleine Heldin. Mutig, entschlossen und wild. Sara T. Chestnut. Allein wegen ihr lohnt sich diese Story.  Weiterlesen

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Lenù, Lila, Neapel – die Geschichte geht weiter

ferrante_die_geschichte_eines_namensMeine geniale Freundin ist aus den Buchhandlungen nicht mehr wegzudenken. Seit Erscheinen des Buches im September 2016 kommen Leser und Leserinnen verschiedensten Alters, um das Buch zu kaufen oder einfach vor dem Tisch mit den Bücherstapeln zu stehen und darüber zu reden. Ein junger Mann sagte zu mir, ihn hätte emotional nichts so berührt, wie Ferrantes Meine geniale Freundin und wann die Fortsetzung käme. Auch ich war extrem gespannt auf Die Geschichte eines neuen Namens – erschienen im Januar 2017. Anfangs verschreckten mich noch die mehr als 600 Seiten. Würde ich gut reinkommen in die Story, mich an jede der Figuren erinnern? Ich befürchtete, Lenù könnte mich wieder nerven mit ihrer streberhaften Art. Doch dann betrete ich diesen kleinen turbulenten Kosmos des Rione. Und bin sofort drin! Bereits mit den ersten Sätzen ist diese Magie wieder da:

Im Frühling 1966 vertraute Lila mir in höchster Aufregung eine Blechschachtel mit acht Schreibheften an. Sie sagte, sie könne sie nicht länger zu Hause behalten, sie fürchte, ihr Mann könne sie lesen, … zu jener Zeit stand es denkbar schlecht um unsere Freundschaft, doch offenbar sah nur ich das so …  Weiterlesen

Wann haben Sie das letzte Mal gleißendes Glück gespürt?

Als der Psychologieprofessor Edward E. Gluck im Roman Gleißendes Glück der verheirateten Helen Brindle diese Frage stellt, muss ich kurz innehalten. Hätte ich darauf antworten können? Wann habe ich diese Art von Glück das letzte Mal gespürt? Gleißendes Glück! Auch Helen weiß nicht sofort eine Antwort. Doch sie ist eine Suchende, genau wie ich. Sie hat das Buch von Edward E. Gluck gelesen und erste Antworten gefunden. Und genau darum lese auch ich. Immer auf der Suche nach provokanten Themen, lasse ich mich gern herausfordern und überraschen. Ein Buch muss nicht alle Erwartungen erfüllen oder eine klassisch romantische Liebesgeschichte erzählen. Drei Bücher zum Thema Liebe, Erotik und Begehren, die mich glücklich gemacht haben:

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Das passt in jeden Koffer – Bücher für den Sommer

Als Buchhändlerin habe ich immer wieder die große Chance, aktiv mit daran beteiligt zu sein, ein Debüt durchzusetzen. Das ist extrem spannend und unglaublich schön. Ein unbändiges Glücksgefühl empfinde ich jedesmal neu, wenn ich eins dieser Bücher dann Monate später als Taschenbuch in der Hand halte und es erneut mit Leidenschaft empfehlen kann. Als Urlaubslektüre beispielsweise, weil ein Taschenbuch noch immer in jeden Koffer passt. Geschichten voll sprachlicher Schönheit und außergewöhnlichen Inhalts erzählen diese drei wundervollen Autorinnen:

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Haruki Murakami. Sputnik Sweetheart

murakami_sputnik_sweetheartSo schön es ist, in eine unbekannte Geschichte einzutauchen, so aufregend kann es sein, eine bereits gelesene erneut aufzuschlagen. Es ist ja auch eine Reise in das lesende Ich meiner Vergangenheit. Sputnik Sweetheart habe ich 2002 gelesen und es war einer meiner ersten Romane von Haruki Murakami. Ein Riesenrad spielte eine zentrale Rolle und eine Liebe zwischen zwei Frauen. Mehr als diese vagen Erinnerungen habe ich nicht, doch unvergessen ist das Glücksgefühl, das ich vor 15 Jahren schon verspürte. Und es stellt sich sofort wieder ein:

Sumire besaß so wenig Möbel, dass die Wohnung kalt und leblos aussah. An den Fenstern hingen keine Vorhänge, und auf dem Boden stapelten sich Bücher, die keinen Platz in den Regalen gefunden hatten, wie intellektuelle Flüchtlinge (S. 76/77).

Genau! Das war es! Diese kleine verrückte Sumire, die ich von Anfang an so mochte, ich schließe sie sofort erneut und noch ein bisschen  heftiger in mein Herz. Freue mich so sehr über dieses „Wiedersehen“.  Weiterlesen

Luis Sellano. Portugiesische Rache

sellano_portugiesische_racheWenn die Sehnsucht nach der Ferne allzu stark wird, träume ich mich gern mit einem Buch ganz weit weg … so kam es, dass ich am Wochenende in Lissabon war. Gemeinsam mit dem Ex-Polizisten Henrik Falkner bin ich durch die verwinkelten Gassen des Bairro Alto gelaufen und habe vom Senhora do Monte auf die Dächer Lissabons geschaut. Schon bei Portugiesisches Erbe mochte ich den perfekten Mix aus Spannung und aus politischer und sozialer Kritik. Weder extrem blutig noch ausufernd regional erzählt, war dieser Krimi auch gleichzeitig eine Liebeserklärung an diese bezaubernde Stadt am Rio Tejo. Davon wollte ich schon damals mehr! Et voilá, hier kommt der zweite Fall für den deutschen Ex-Polizisten Henrik Falkner.  Weiterlesen

Raupe Nimmersatt, Traumzauberbaum und Hasenkind

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Der Traumzauberbaum ist wohl eins der schönsten Hörbücher für Kinder. Es lädt ein zum Träumen, zum Mitsingen und ist gleichermaßen spannend für Jungs und für Mädchen. Ich habe es in den 90er Jahren unzählige Male mit meinen zwei Söhnen gehört und mitgesungen. Beim Autofahren und in der Badewanne. Bald werde ich gemeinsam mit meinem Enkel Karl das Regenlied, den Pfannkuchenschreck oder den Mopseklops singen. Ich finde die Lieder immer noch wunderschön, emotional tiefgreifend und oft zum Lachen komisch. Erstmals erschienen 1980 (bei Deutsche Schallplatte), ist Der Traumzauberbaum heute schon fast ein Klassiker.  Weiterlesen