Schlagwort-Archive: Gewalt

Wut und Rebellion. Fatma Aydemir und ihr Debüt „Ellbogen“

aydemir_ellbogenEs ist so da und es ist so heftig, dass man es fast anfassen kann. Wut. Meine ist so groß, dass sie nicht in mich hineinpasst. Sie droht meine Haut zu sprengen, mich von innen aufzufressen und wieder auszuspucken … Gül holt endlich die Ballerinas aus ihrer schweren Tasche, schmeißt sie heftig auf die deutschen Pflastersteine (S. 114).

Hazals Wut ist die Wut einer Achtzehnjährigen. Stunden, bevor es zu der gerade geschilderten Situation kommt, ist da schon ein Stechen, später ein Pochen im Kopf, weil Hazal mal wieder voller Hass auf ihre Mutter ist. Die ihr mit ihren ewigen Forderungen nach heißem Çay – begleitet vom Klingeln des Löffelchens im leeren Glas – extrem auf die Nerven geht. Irgendwann tief in der Nacht ist es dann nur noch totaler Kontrollverlust und krasse Wut. Eine Wut, die ihr Ventil in brutaler Gewalt gegen einen ahnungslosen deutschen Studenten findet. Weiterlesen

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Carl Nixon. Rocking Horse Road – Fernweh NEUSEELAND

Im vorigen Jahr hatte ich mein Projekt „Fernweh“ gestartet, in welchem ich an Taschenbuch-Romane erinnern möchte, die sich lohnen, wieder gelesen zu werden. Sie führen an ferne Orte und passen in jeden Koffer. Und weil es in dieser Story auch täglich mehr als 30 Grad hat, passt kaum ein Buch besser zu den überraschend hohen Juli-Temperaturen da draußen, als Rocking Horse Road. Und vielleicht kommt ja sogar noch Regen …

nixon_rocking_horse_TB… Neuseeland. The Spit ist ein kleiner spießiger Ort mit genau definierten Grenzen der „Schicklichkeit“. Bereits mit den ersten, atmosphärisch und packend erzählten, Sätzen hat Nixon mich: Es war Peter Marshall, der Lucys nackte Leiche am Strand fand, nicht weit vom Ende der Rocking Horse Road entfernt. Auch wenn seit diesem Morgen fast drei Jahrzehnte vergangen sind und ein Jahrtausend geendet hat, können wir noch immer ganz präzise sagen, wo Lucy gelegen hat.

In jenem Dezember 1980 beginnen die von Verzweiflung und Beklommenheit gepackten 15jährigen Jungs, den Mörder von Lucy zu suchen. Sie sammeln jede Menge Material, wachen nachts ständig auf, um erneut die Zeitungsartikel zu lesen und haben schwarze Ränder unter den Augen. Sie sind übernervös und wirken wie Gespenster. Doch alles ohne Erfolg. Weiterlesen