Schlagwort-Archive: Hanser Literaturverlage München

Wut und Rebellion. Fatma Aydemir und ihr Debüt „Ellbogen“

aydemir_ellbogenEs ist so da und es ist so heftig, dass man es fast anfassen kann. Wut. Meine ist so groß, dass sie nicht in mich hineinpasst. Sie droht meine Haut zu sprengen, mich von innen aufzufressen und wieder auszuspucken … Gül holt endlich die Ballerinas aus ihrer schweren Tasche, schmeißt sie heftig auf die deutschen Pflastersteine (S. 114).

Hazals Wut ist die Wut einer Achtzehnjährigen. Stunden, bevor es zu der gerade geschilderten Situation kommt, ist da schon ein Stechen, später ein Pochen im Kopf, weil Hazal mal wieder voller Hass auf ihre Mutter ist. Die ihr mit ihren ewigen Forderungen nach heißem Çay – begleitet vom Klingeln des Löffelchens im leeren Glas – extrem auf die Nerven geht. Irgendwann tief in der Nacht ist es dann nur noch totaler Kontrollverlust und krasse Wut. Eine Wut, die ihr Ventil in brutaler Gewalt gegen einen ahnungslosen deutschen Studenten findet. Weiterlesen

Freundschaft bedeutete, sich geehrt zu fühlen …

yanagihara_portrat… dass man einen anderen in seiner größten Verzweiflung auffangen durfte, und zu wissen, dass man selbst in seiner Gegenwart verzweifelt sein durfte (Seite 303).

Yanagiharas Roman ist ja ein ganz großes Buch über Freundschaft, ein Buch über das man mit guten Freunden reden will (und sollte). Ich möchte Euch daher an dieser Stelle ein Gespräch mit zwei befreundeten Buchhändlerinnen empfehlen. Maria von der Buchhandlung ocelot, die Klappentexterin und ich spürten, ohne dieses gemeinsame Reden funktioniert Yanagiharas Roman einfach nicht.  Hat das Lesen des Buches uns 100 % glücklich gemacht? Ist es eine Story mit Hoffnung auf ein Happy End? Wieviel Schmerz darf eine Autorin ihren Lesern zumuten? Wir  waren uns nicht immer einig. Ganz besonders, als es um den Schmerz und die Düsternis in der Story ging. Maria sagt in dem Gespräch sogar, ich habe das Buch einmal entsetzt gegen die Wand gepfeffert, ich glaube, es löst in vielen Leuten was Tiefes aus. Stimmt schon – manchmal war auch ich verzweifelt, brauchte ein Glas Wein oder einen langen Spaziergang, um Judes Geschichte weiter lesen zu können.

Einig waren wir uns allerdings darin – es ist ein ganz großes Buch, möglicherweise DAS Buch des Jahres. Und ganz sicher ein Buch, über das alle sprechen wollen, die es lesen. Nachzulesen im Literarischen Talk. Weiterlesen

T.C. Boyle. Der Samurai von Savannah

boyle_samurai_von_savannahRomane von T.C. Boyle mit Happy End? Sollte man besser nicht erwarten. Gibt es denn im echten Leben ein Happy End? Okay, manchmal vielleicht … Nicht jedoch bei Boyle. Skurril, witzig, böse und verrückt sind seine Geschichten. Und das trifft ganz besonders auf den Samurai von Savannah zu.

Boyle erzählt hier die Geschichte des 20jährigen Matrosen Hiro Tanaka aus Japan, der in die USA will. Grund dafür sind die fiesen Attacken, die er wegen seines Aussehens aushalten muss (sein Vater ein amerikanischer Hippie, den Hiro nie kennen gelernt hat). Langnase, Butterstinker, Halbblut, ein happa – das ist er für die anderen. „Doch die Amerikaner, das wußte er, waren ein Volk aus vielen Rassen … In Amerika konnte man ein Teil Neger, zwei Teile Serbokroate und drei Teile Eskimo sein und dennoch erhobenen Hauptes durch die Straßen gehen … Weiterlesen