Christopher Isherwood. A Single Man

Isherwood Single man 008Einsamkeit kann nobel sein. Sie kann schön und sie kann besonders sein. In einer hektischen Welt schenkt sie uns stille, bezaubernde Momente.

Einsamkeit kann aber auch schrecklich sein. Demütigend. Wenn man immer gemeinsam gekocht und gegessen hat, dann kann beim einsamen Essen der metallene Klang des auf dem Tellerrand abgelegten Messer in den Ohren so schlimm nachhallen, dass es zur Strapaze wird.

George, angesehener Professor im Kalifornien der 60er Jahre, hat seine große Liebe Jim verloren. Ein tödlicher Autounfall. Mit Jim leben hieß: gemeinsam kochen, essen und danach auf dem Sofa vor dem Bücherregal liegen und sich langsam in den Schlaf lesen. Mit Jim leben hieß auch: heiße Nächte am Strand von Malibu. Doch das ist vergangen. Vorbei die magische Lasterhaftigkeit in jenem Nachsommer der Lust. In der Gegenwart leben, heißt für George tägliches Aufwachen am Morgen, das verbunden ist mit dem Gedanken: wieder ein Tag, der sich an den gestrigen anschließt. Wieder ein Morgen, der einem bewußt macht, dass das Ende naht.

Doch wehleidig ist George deshalb nicht. Er lebt, er ist am Leben! Er ist charmant, klug, angesehen. Er trainiert im Fitness-Studio, trotzt dem Altwerden, gibt sich nicht als schicksalsergebener, golfspielender, alter Mann. Das macht ihn so unendlich sympathisch. Feinsinnig beobachtet er seine Mitmenschen. Klug und witzig sind seine unentwegt laufenden Gedanken, die mich teilhaben lassen an diesem einzigen Tag, welcher nicht gut enden wird für ihn. Aber das ahnt George ja nicht. Auch nicht, als er im wild schäumenden Meer nachts baden geht mit einem seiner Studenten aus dem Literaturkurs, und ich ihm alles Glück der Welt wünsche, diesem einsamen Wolf, den ich einfach nicht vergessen kann.

Sollte meine Sehnsucht nach dem Single Man unerträglich werden, könnte es sein, dass ich mir mal wieder die grandiose Verfilmung (2009) vom Regisseur Tom Ford ansehe mit Colin Firth und Juliane Moore in den Hauptrollen.

So sehr ich diese Story geliebt habe, so melancholisch hat sie mich aber auch gemacht. Den Roman zu lesen, empfiehlt sich am besten an einem langen, grauen Novembertag, auf einem Sofa mit Blick auf das Bücherregal. Dazu viel Tee und gute Schokolade – das wäre dann die perfekte Choreographie.

Christopher Isherwood. A Single Man. (Orignial 1964). Aus dem Englischen von Thoams Melle. Vorwort von Tom Ford Verlag Hoffmann & Campe. Hamburg 2014. 159 Seiten. 18,- €

 

 

 

 

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2 Antworten zu “Christopher Isherwood. A Single Man

  1. Ganz tolle Rezension. Möchte das Buch unbedingt lesen und dann den Film sehen 🙂

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