Schlagwort-Archive: Zweiter Weltkrieg

Steffen Kopetzky. Propaganda

ffd99ef9-be0b-48b7-bb4a-5ce7f2051bd6Über die Schlacht im Hürtgenwald – auch die Allerseelenschlacht genannt – gibt es unzählige historische Berichte und Dokumente. In Deutschland dennoch wenig bekannt, ist sie für die Amerikaner eine unvergessen schreckliche Erfahrung und ein riesiges Desaster. Vielleicht hatte man nach der Landung der US Army in der Normandie im Juni 1944 auf eine rasche Durchquerung der Eifel und auf einen schnellen Sieg gehofft.
Doch der November 1944 war nass und kalt. Und der Hürtgenwald geprägt von tiefen Schluchten und nahezu undurchdringlichen dunklen Tannenwäldern. Tagelang hockten die GIs in Löchern, die sie sich zum Schutz gegraben hatten. Das eingelaufene Regenwasser betäubte ihre Füsse.
Um sich bei Laune zu halten, redeten sie oft vom Essen. Eine für mich völlig unbekannte Tatsache: viele der GIs waren Pennsylvania-Deutsche. Und so wirken ihre Gespräche absurd komisch, denn es geht darin um Semmelklös und Kneedelbrot, welche niemand auf der Welt so gut kochen konnte wie die eigene Mudda. In solchen Momenten hellt sich das düstere Thema Krieg immer auf. Weiterlesen

Michael Frayn. Das Spionagespiel

Italien. Nordalpen. Panik befällt mich: acht Tage Urlaub und bei Ankunft Regen. Dicke weiße Wolken ruhen wie hingepinselt auf grünen Hängen. Keine Sonne. Und … mein Reader, mit diversen eBooks frisch befüllt, ist knockout! Im Gepäck nur noch zwei schmale Taschenbücher. Hektisch rechne ich: vier verdammt lange Tage muss jedes Buch reichen. Typisches Verhalten eines Großstadtneurotikers und Büchermenschen.

Was ich nicht geahnt hatte, dass die Natur mit ihrer betörenden Schönheit mich komplett vereinnahmen würde. Auf meinen langen Spaziergängen werde ich dann auch endlich den Gemeinen Liguster finden. Ich suche nach ihm seit mehr als 10 Jahren – seit Spionagespiel erstmals auf Deutsch erschienen ist. Manche Bücher lese ich gern mehrmals und dieses gehört unbedingt dazu! Denke ich an diese Geschichte, dann erinnere ich mich sofort an den Duft des Ligusters, an die zwei Jungs und ihr grausames Spiel …  Weiterlesen

Katja Kettu. Wildauge

image001Es gibt religiöse, politische, ethische und andere Gründe, warum eine Liebesbeziehung für verboten erklärt werden kann. Und es gibt unzählige Gründe, warum Menschen sich gegen jedes Gesetz dennoch lieben. Liegt nicht gerade im Verbot der besondere Reiz? Im Roman „Wildauge“ erzählt die Enkelin Katja Kettu die Geschichte einer solchen unmöglichen Liebe. Es ist die Geschichte ihrer Großmutter.

Wildauge ist eine junge finnische Hebamme, die in ihrer Tätigkeit, Leben zu nehmen und Leben zu geben, ausschließlich ihren Urinstinkten folgt. Sie trägt das Wissen mythischer Heilkräfte und den besonderen Blick einer Schamanin – ein Blick, den die Männer fürchten. Sie ist das Zentrum dieser kraftvollen, wild animalischen und literarisch berauschenden Story. Und sie ist meine Heldin! Weiterlesen