Schlagwort-Archive: Tod

Queer gelesen: Unerklärlich logisch und hoch emotional

saenz_die_unerklärliche_logikIst irgend eine Situation kritisch oder gefährlich, dann heißt es bei Sam und Sal: No bueno. Nur diese zwei Worte. Weil beider Leben nicht einfach ist, kommt es ziemlich oft vor, dass sie diese zwei Worte sagen. Ihre richtigen Namen sind Salvador und Samantha, sie leben in El Paso in Texas und sind 17 Jahre alt. Sie reden über fast alles – per SMS oder real, sie fluchen, lachen und weinen gemeinsam. Best friends.
Ein weiterer wichtiger Mensch in Sals Leben ist sein schwuler Dad Vicente. Weswegen er in der Schule manchmal angemacht und “Schwuchtel” genannt wird.
Manchmal schlägt Sal dann zu – ohne Nachzudenken. Er weiß, dass das nicht okay ist. Und er versucht zu lernen, zwischen sich und seinen Schlagreflex einen bewussten Gedanken zu stellen. Was manchmal funktioniert. Ob diese Wut im Bauch und der Wunsch, zu schlagen, von seinem biologischen Vater kommen? Sal hat ihn nie kennen gelernt. Auch an seine Mom kann er sich nicht erinnern. Diese Geheimnisse sollen erst am Ende dieses dramatischen und sehr emotionalen Jugendromans gelöst werden.  Weiterlesen

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Tomas Espedal. Wider die Kunst

Knausgard lesen oder Espedal? Für mich ganz klar – ich wähle Tomas Espedal. Das hat mehrere Gründe und einer davon ist, dass ich für ein fünfbändiges Werk, in welchem es ausschließlich um Sterben, Leben, Träumen, Liebe und natürlich immerzu um den Autor selbst geht, einfach keine Geduld habe. Auch fehlt mir dazu die Zeit. Den ersten Impuls, Espedal zu lesen, gab diese Begegnung im August 2014 …

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©Mara Giese. Begegnung mit Tomas Espedal. August 2014

Es ist nämlich so, dass Wider die Kunst schon seit längerer Zeit nach mir ruft. Auf dem Sommerfest und zehnjährigem Verlagsjubiläum von Matthes & Seitz im LCB am Wannsee begegneten die Klappentexterin und ich vor zwei Jahren Tomas Espedal. Und dort hat er uns unter anderem von diesem autobiographischen Roman erzählt.  Weiterlesen

Kai Weyand. Applaus für Bronikowski

weyand_applaus_für_bronikowskiDer achtzehnte März brachte die erste warme Frühlingsluft des Jahres. NC wurde an diesem Tag einunddreißig, und außer der Gewissheit, dass sein Bruder anrufen würde, um ihm zu gratulieren, hatte er keine Vorstellung, was er sich von diesem Ereignis versprach.

Und wie das so ist mit Geburtstagen – der eine feiert eine riesige Party, der andere gruselt sich vor dem einen Anruf pro Jahr, den er hasst. Doch bei NC ist es eben nicht nur dieser eine Tag. Sein ganzes bisheriges Leben ist eine endlose Kette solcher Tage. Und genauso wenig, wie er sich von diesem einen Tag erwartet, so hatte er dies am vorigen getan oder würde es für den folgenden Tag tun. Weiterlesen

Jocelyne Saucier. Ein Leben mehr

saucier_ein_leben_mehrIn der Wildnis und Abgeschiedenheit der kanadischen Wälder gelingt drei Menschen das Unmögliche – sie nehmen sich die Freiheit, zu leben und zu sterben, wie sie es wünschen. Genießen jeden Tag so intensiv, als ob es der letzte wär. Jocelyne Saucier, die selbst in einem kleinen Ort im Wald im nördlichen Québec lebt, hat mit diesem schmalen Buch einen großen Roman geschrieben, in welchem sie das Thema „Selbstbestimmt leben und sterben“ aufgreift und verarbeitet. Jeder Satz stimmt, nichts ist beschönigt und dennoch lebt ein ganz besonderer Zauber zwischen den Zeilen, klingen manche Textstellen wie ein alter melancholischer Gesang. Vermischt mit den Stimmen des Waldes.  Weiterlesen