Schlagwort-Archive: Squirrel

Ernst Penzoldt. Squirrel

Bin in melancholische Stimmung. 41t57i3CW2L._SL500_SS160_

Also greife ich eines meiner Lieblingsbücher, welches es leider nur noch antiquarisch gibt (dafür aber für wenig Geld). Vielleicht entschließt der Insel Verlag sich ja irgendwann zu einer Neuauflage. „Squirrel“ hätte es verdient!

Ein kleiner feiner und sehr unterhaltsamer Roman, geschrieben 1954. Wer ausgewählt schöne Sätze und noch dazu eine zeitlos und bis in alle Ewigkeit gültige Story lesen mag, der wird mit „Squirrel“ genau diese Ansprüche erfüllt wissen.

Es gibt sie immer und überall: Leute wie die Kuttelwaschers und die Stübleins. Die einen überdrüssig von ihrem sich ständig wiederholenden langweiligen Leben (Kutt, Mutt und die erwachsenen Kinder Anselm und Barbara). Die anderen sich verzehrend von Hass und nachbarschaftlichem Neid (Bruder und Schwester Stüblein).

Und dann eines Tages, einer Sensation gleich, da taucht in dem kleinen Ort ein fremder Mann auf. Sehr jung. Mit strahlenden Augen und verstruwweltem Haar. Kennt weder Vater noch Mutter oder den Tag seiner Geburt. Was die Figur des Squirrel so außerordentlich symphatisch macht: er braucht kein Telefon, kein Geld, keine Freunde. Er arbeitet nicht, kennt kein Gestern, kein Morgen und lebt in völliger Harmonie mit sich selbst. Seine Anwesenheit verändert das Leben der Menschen, die ihm Gutes tun (eine Zigarette, etwas zu essen, ein Nachtlager). Traurig, dass die meisten zu spät erkennen, welches Glück es ist, einen wie Squirrel in der Nähe zu haben, der niemals etwas erwartet, der weder manipuliert noch fordert.

Dieses Buch habe ich empfohlen bekommen und bin total glücklich, mal jenseits vom gegenwärtigen Literaturtrubel einen solchen Schatz entdeckt zu haben und ihn für immer und ewig in mir zu tragen.

Squirrel zu vergessen – unmöglich!!!!!

P.S. Auch Thomas Mann war ein begeisterter Squirrel-Fan, wie ein Zitat auf dem Klappentext zeigt…..

„Ein schmaler Roman von unbeschreiblichem Zauber, der mich tagelang glücklich machte. Die Erscheinung von etwas ganz Leichtem, Sorg- und Nutzlosem, kurzum Poetischem, in der geheimnisvollen Person eines jungen Vagabunden, der während eines kurzen Verweilens alle Herzen gewinnt, allen etwas befreiend überraschendes mitteilt, alle einen Augenblick bessert und dann wieder entschwindet – mehr ist es nicht, aber es ist entzückend.“