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Etgar Keret. Die sieben guten Jahre

keret_die_sieben_guten_jahreDer israelische Autor Etgar Keret mag es, Geschichten zu erzählen. Seinen Nachbarn und Freunden erzählt er gern phantasievoll ausgedachte Sachen. Sitzt er aber im Flugzeug oder in der Bahn neben einem Fremden, so erzählt er gern Stories aus seinem Leben, von seinen Eltern, seiner Frau Shira oder dem Sohn Lev. Solche wahren Geschichten hat er dann irgendwann aufgeschrieben. Sie sind bereits in viele Sprachen übersetzt. Es gibt sie in Englisch, es gibt sie sogar in Farsi (Die Welt). Und nun endlich auch auf Deutsch, dank seines Freundes Daniel Kehlmann. Weil diese kleinen Stories aber so persönlich sind, wird es sie nicht auf Hebräisch geben, wird das Buch nicht in Israel veröffentlicht. Für Freunde und Nachbarn hat er halt nur fiktive Geschichten. Für uns „Reisende“ sind die wahren Geschichten:

In diesem Buch teilen Sie ein Eisenbahnabteil mit mir. Wenn Sie zur letzten Seite kommen, steige ich aus, und wir sehen uns vielleicht nie wieder. Aber ich hoffe, dass etwas von der siebenjährigen Reise, die mit der Geburt meines Sohnes beginnt und mit dem Tod meines Vaters endet, auch Sie berührt (S. 222). Ganz klar – Etgar Keret hat mich berührt, und wie! Doch in einer anderen Sache hat er sich geirrt. Denn nachdem er mir alles aus seinem wahren Leben erzählt und das Eisenbahnabteil verlassen hat, haben wir uns gestern Abend wiedergesehen …  Weiterlesen

Pierre Jarawan. Am Ende bleiben die Zedern

jarawan_am_ende_bleibe_die_zedernDie Zeder ist das Symbol der Flagge des Libanon. Die Zeder mit ihrem Duft ist es auch, die diese Geschichte begleitet. Wenn der Vater Brahim seinem Sohn Samir Geschichten aus der Heimat erzählt, dann ist immer auch die Libanon-Zeder darin verwoben. Aufgewachsen ist Samir in Deutschland. Als sein Vater spurlos und für immer verschwindet, ist der Junge gerade acht Jahre alt. Eigentlich war es ein ganz normaler Abend und wie immer erzählt Brahim seinem Sohn eine Gute-Nacht-Geschichte, küsst den ahnungslosen Samir auf die Stirn.

Es war der letzte Kuss, den er für mich hatte. Eine große Zufriedenheit überkam mich. Wie warme Daunen legte sie sich auf mich und hüllte mich ein. Dann fuhr er mir durchs Haar. Es war das letzte Mal, dass er es tat … Hätte ich damals gewusst, dass dies die letzten Sekunden waren, die mir mit meinem Vater blieben, ich hätte mir mehr Mühe gegeben. Ich hätte versucht, ihn länger anzuschauen … Aber ich war zu müde. Und so war das Letzte, was ich von meinem Vater sah, seine Silhouette im Türrahmen und wie er liebevoll – zumindest glaube ich das heute – zu mir herüberblickte (S. 98/99).  Weiterlesen