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Ralf Rothmann. Im Frühling sterben

im_frühling_sterbenManche Romane brauchen den richtigen Zeitpunkt. So kommt es, dass ich mich auf dieses bereits im Juni 2015 erschienene Buch erst jetzt einlasse. Bisher mochte ich Rothmanns Romane deshalb besonders, weil sie von der Gegenwart im Ruhrpott, in Polen oder in Berlin erzählten. Weil sie auch von der Liebe erzählten.
Ich will keine Kriegsgeschichte, dachte ich. Bis ich im Urlaub im kleinen Bücherregal des Hotels Im Frühling sterben entdeckt und die ersten Sätze gelesen habe. Ich spürte ihn sofort, diesen ganz bestimmten Erzählton, den ich so sehr schätze und der mich immer wieder zum Lesen seiner Geschichten verführt. Denn Ralf Rothmann gelingt es, ganz normalen Alltag in Literatur zu verwandeln. Seine Romane kommen mit weniger als 300 Seiten aus und erzählen kompakte tiefgreifende Geschichten. Ohne überflüssige langatmige Textpassagen und auf das Wesentliche reduziert, stimmt bei ihm jeder Satz! Weiterlesen

Ralf Rothmann. Hitze

Ralf_Rothmann_HitzeEben lese ich die sehr positive Rezension zum neuen Roman von Ralf Rothmann bei pop-polit und will nun sofort „Im Frühling sterben“ lesen. Rothmann ist auch für mich einer der ganz großen Autoren. Seine Sprache ist exzellent. Und die Storys, welche er erzählt, überraschen mich immer neu. So auch „Hitze“, das zu großen Teilen im Berliner Bezirk Kreuzberg einige Jahre nach der Wende spielt. Eine neue Empfehlung in meiner Reihe „Wiedergelesen in 8 Sätzen“. Und passt in jeden Koffer:

Blickt man die rußige Fassade hinauf, sind die Tauben nur mit Mühe vom Stuck zu unterscheiden, von dem Lorbeer und den Lilien aus Stein, an die sich geschmiegt haben … Kalter, nach Braunkohle riechender Wind treibt Graupel über den Asphalt und erzeugt ein Rascheln in den Bäumen, alten Eichen, riesigen Kastanien … (S. 11).

Es ist Herbst, die Stimmung des Romans passt sich der Tristesse dieser ersten kühlen Tage perfekt an. Weiterlesen