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Betrunkene Bäume und entwurzelte Menschen

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Betrunkene Bäume bezeichnete nicht etwa eine bestimmte Art oder Gattung von Bäumen, sondern konnte jeden unter ähnlichen Bedingungen in Schieflage geratenen Baum bezeichnen. Ein Stamm, der im schmelzenden Permafrostboden an Halt verlor, kippte im tauenden Matsch, weil seine Wurzeln, den festen Permafrostboden gewohnt, keinen Halt mehr fanden. Ganze Wälder konnten so in Schieflage geraten (S. 139/140).

Begleitet vom Bild der betrunkenen Bäume im Permafrost, erzählt Ada Dorian in ihrem Debüt von Menschen, die den Halt verloren haben. Sie erzählt vom alten Erich mit seinem beigefarbenen Commodore, der wegen seiner schlechten Augen eigentlich gar nicht mehr fahren darf. Altersbedingt bereits ein bißchen hilflos, doch immer noch recht pfiffig, züchtet er in seinem Schlafzimmer einen kleinen Wald aus Birken, Erlen und Pappeln, weil er beim Geruch der Pflanzen besser schlafen kann. Sie sind seine besten Freunde. Am längsten lebt bei ihm der Ahorn, der nun bereits an die Decke stößt. Vor seiner strengen Tochter Irina hält er die Tür zu diesem Raum stets verschlossen. Sie würde ihn sicher für verrückt erklären –  Weiterlesen