Schlagwort-Archive: Nino Haratischwili

Raupe Nimmersatt, Traumzauberbaum und Hasenkind

traumzauberbaum

Der Traumzauberbaum ist wohl eins der schönsten Hörbücher für Kinder. Es lädt ein zum Träumen, zum Mitsingen und ist gleichermaßen spannend für Jungs und für Mädchen. Ich habe es in den 90er Jahren unzählige Male mit meinen zwei Söhnen gehört und mitgesungen. Beim Autofahren und in der Badewanne. Bald werde ich gemeinsam mit meinem Enkel Karl das Regenlied, den Pfannkuchenschreck oder den Mopseklops singen. Ich finde die Lieder immer noch wunderschön, emotional tiefgreifend und oft zum Lachen komisch. Erstmals erschienen 1980 (bei Deutsche Schallplatte), ist Der Traumzauberbaum heute schon fast ein Klassiker.  Weiterlesen

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Guggolz, Nino, Bücher – drei magische Kreise schliessen sich

Sebastian 1Tage später …  die Buchmesse in Frankfurt am Main ist längst vorbei. Nicht vergessen sind all die Begegnungen, die überraschenden Momente ….

… Eisblau und und glitzernd kalt – so empfängt mich an meinem ersten Messetag die Halle Finnland cool. Ich bin zu spät, die Veranstaltung hat bereits begonnen. Auf der Bühne wird vorgelesen und als ich die Worte „…vom Toivola Jussi“ vernehme, weiss ich, ich bin richtig. Verleger Sebastian Guggolz sitzt rechts außen und liest aus „Frommes Elend“. Im anschließenden Interview von Helene Moster befragt, warum man dieses Buch lesen sollte, antwortet Sebastian Guggolz, dass wir einfach zu wenig über Finnland wissen. Finnlands Geschichte sei aber hochspannend und unterscheide sich elementar von der Geschichte anderer skandinavischer Länder. Sebastian 3Auch könne man Sillinpääs Roman als eine Art Vorgeschichte zu den Romanen von Katja Kettu und Sofi Oksanen lesen. Liebevoll spricht der Verleger vom feinen Humor des Autors und den kleinen Momenten des Glücks, welche uns diese – ganz und gar ohne Pathos – erzählte Geschichte schenken würde.

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Nino Haratischwili. Das achte Leben. Für Brilka

Haratischwili 003Ein Traum hat sich erfüllt und ich halte den neuen Roman von Nino Haratischwili in den Händen. Auch wenn ich mich gerade wie der glücklichste Mensch im Universum fühle, mischt sich eine bestürzende Trauer in dieses Gefühl: Der Roman wurde nicht in die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2014 aufgenommen.

Irgendwie bin ich dennoch sicher, dass er grenzenlos erfolgreich werden, dass man noch in Jahrzehnten von ihm sprechen wird. Denn „Das achte Leben“ ist nicht nur ein sprachliches Kunstwerk, welches fiktive und reale Ereignisse mosaikähnlich zusammenfügt. Es ist außerdem ein inhaltsreicher Roman mit einer Story, die sich anfühlt, als hätte Nino H. sie stellvertretend für alle Menschen, die in Diktaturen aufgewachsen sind, erzählt.

Ich hatte das große Glück (ein Dankeschön an die Frankfurter Verlagsanstalt!), dass ich den gesamten Roman vorab elektronisch lesen konnte. Doch weil das Lesen auf dem eReader kein Vergleich ist zum Rascheln der Buchseiten beim Umblättern sowie vom Erfassen von Buchstaben auf echtem Papier, will ich heute erneut eintauchen in das liebevoll gestaltete echte Buch. Und tatsächlich vermisse ich bereits Stasia, Christine, Kitty, Niza und all die anderen wundervollen starken Frauen … Doch vorerst ein weiterer Dank und eine tiefe Verbeugung:

Liebe Nino Haratischwili,

nicht in meinen stärksten Phantasien hätte ich mir vorzustellen vermocht, was dieses Buch mit mir machen wird. Dass es mich so komplett vereinnahmen wird. Dass viele Dinge in der realen Welt plötzlich unwichtig und klein erscheinen, weil ich nur weiterlesen, tiefer eintauchen will. Geradezu magisch werde ich hineingesogen, versinke in einer Art von Paralleluniversum. Und bin so unendlich dankbar. Für jede einzelne Szene. Jeden Satz –

Das 20. Jahrhundert hat gerade begonnen und der berühmte georgische Schokoladenfabrikant wird Vater. Hier, mit dem Ururgroßvater beginnt die Geschichte der Familie Jaschi. Anastasia, genannt Stasia, wird geboren. Viele Jahre später wird sie die Kinder Kolja und Kitty zur Welt bringen. Jeder dieser Figuren ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Buch 1, Buch 2 … Buch 8. Ich finde das wunderbar überschaubar und will inhaltlich hier gar nichts vorwegnehmen. Verblüffend finde ich, mit wie wenig Figuren der Roman auskommt. Und wie vertraut sie mir alle werden. Stasias übersinnliche Fähigkeiten, die verstorbenen Freundinnen zu sehen, scheinen auf mich überzugehen. Plötzlich habe ich das Gefühl, die Romanfiguren in meiner Nähe zu spüren und ich fühle mich tatsächlich wie in einem Paralleluniversum. Ich habe das Gefühl, alle im Roman beschriebenen Ereignisse würden in Echtzeit neben mir ablaufen. Ich frage mich, wo ist die geheime Tür? Wo der versteckte Spiegel, um ganz und gar in die Welt der Familie Jaschi zu kommen? Wenn eine Figur stirbt, zerreißt es mir das Herz. Wenn Niza ihren Großvater umarmt und ihm all seine Tyrannei verzeiht, dann spüre ich die körperliche Wärme der beiden Körper. Selten bin ich Figuren so nah gekommen.

In meinen Gedanken trinke ich die magische und sehr schwarze, heiße  Schokolade. Ich sehe den kaputten und schönen grauen Himmel Georgiens. Ich laufe durch die Räume des Grünen Hauses, sehe den granatapfelroten und mit Ornamenten verzierten Teppich. Durch meinen Kopf geistern die wütenden Songs von Waladimir Wyssotzki, tanzen sterbende Schwäne ihr Pas de deux zu der aufwühlenden Musik von Tschaikowsky. Ich sehe schwarze Rosen und bläulich gefärbten Schnee. Ich rase durch dieses gesamte 20. Jahrhundert, das sibirische Gulags und Menschen wie den Generalssimus und den Kleinen Großen Mann hervorgebracht hat. Aber eben auch so mutige und starke Figuren, wie sie im Roman beschrieben werden. Mit den Worten von Nizas Lehrer David und ein paar grandiosen Songs von Wyssotzki  möchte ich meinen kleinen Vorgeschmack auf ein ganz großes Buch beenden. Mit dem folgenden Satz hat David nicht nur Nizas Denken sehr geprägt, sondern mir eine wundervolle Weisheit geschenkt:

„Aus allen Varianten deines Ichs such dir die Unmöglichste aus.“

Wssotzki. Spazitje Naschi Duschi

Wossotzki. Kupola

Wyssotzki. Der weiße Walzer

Wyssotzki. Esho raz

Nino Haratischwili. Das achte Leben. Für Brilka. Frankfurter Verlagsanstalt Frankfurt am Main 2014. 1275 Seiten. 34,-€