Schlagwort-Archive: Liebe

Harstad. Max, Mischa & …

harstad_max_mischa_und_die Ted-offensiveWie soll man über einen Roman schreiben, der mehr als 1.200 Seiten umfasst? Ich habe mir gedacht: so kurz wie möglich. Denn dieses Buch muss man selbst lesen. Idealerweise unbefangen und unvorbereitet.

Johan Harstad ist ein norwegischer Autor, geboren in Stavanger. Hier erlebt auch Max Hansen seine Kindheit. Besonders beliebt sind Kriegsspiele, inspiriert durch Coppolas Vietnam-Film Apocalypse Now aus dem Jahr 1979. Max ist elf Jahre alt, als er diesen Film das erste Mal sieht. Szenen daraus ziehen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman. Warum ich auch hier beim Schreiben gerade The Doors mit ihrem unvergesslichen Song The End höre. Apocalypse Now und The End – das bildet für mich irgendwie eine Einheit. Und jetzt gehört auch Harstads Roman dazu. Weiterlesen

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Werden alle sterben?? Ein kleiner Talk mit Mareike zu „Dunkelgrün fast schwarz“

fallwickl_dunkelgrün_fast-schwarzEine der schönen Seiten am Buchhändler- und Bloggerleben ist, dass man oft vorab Romane lesen und entdecken darf. Ohne andere Meinungen, nur mit der eigenen Stimme im Kopf. Es ist zugleich aber auch eine schwere Last, weil man so lange schweigen muss! Aber heute darf ich es endlich laut sagen, so wie bereits viele begeisterte Blogger und Buchhändler und Leser mit mir. Dieses Buch ist einfach grandios! Irgendwann zwischen Weihnachten und Sylvester 2017 habe ich Dunkelgrün fast schwarz verschlungen und während des Lesens bereits mit Mareike gechattet. Ein kleiner Trip in die Vergangenheit … Weiterlesen

Wann haben Sie das letzte Mal gleißendes Glück gespürt?

Als der Psychologieprofessor Edward E. Gluck im Roman Gleißendes Glück der verheirateten Helen Brindle diese Frage stellt, muss ich kurz innehalten. Hätte ich darauf antworten können? Wann habe ich diese Art von Glück das letzte Mal gespürt? Gleißendes Glück! Auch Helen weiß nicht sofort eine Antwort. Doch sie ist eine Suchende, genau wie ich. Sie hat das Buch von Edward E. Gluck gelesen und erste Antworten gefunden. Und genau darum lese auch ich. Immer auf der Suche nach provokanten Themen, lasse ich mich gern herausfordern und überraschen. Ein Buch muss nicht alle Erwartungen erfüllen oder eine klassisch romantische Liebesgeschichte erzählen. Drei Bücher zum Thema Liebe, Erotik und Begehren, die mich glücklich gemacht haben:

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Hiromi Kawakami. Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß

kawakami_himmelEs muss einfach sein. Es gibt so Tage, da interessiert mich nichts Neues, da hilft nur ein Roman aus längst vergangenen Tagen, den ich ein zweites Mal lese. Ich freue mich auf die Begegnung mit den mir bekannten Figuren, bin gespannt, was ich noch erinnere und was ich neu entdecken werde …

Tsukiko ist 37 Jahre alt, als sie ihrem Japanisch-Lehrer Harutsuna Matsumoto-Sensei in einer Kneipe wiederbegegnet.
Gerade hatte sie dem Wirt ihre Bestellung zugerufen, da vernimmt sie neben sich die Stimme eines Mannes, der ebenfalls diese Gerichte bestellt – Thunfisch mit fermentierten Sojabohnen, gebratene Lotuswurzeln in süßer Sojasauce und eingelegte Perlzwiebeln. Erstaunt stellt Tsukiko fest, dass direkt neben ihr der Sensei sitzt. Er ist es tatsächlich!

Beide sind einsam, beide mögen sich. Und beide begegnen sich wie zufällig von nun an regelmäßig in diesem kleinen Laden, speisen gemeinsam, trinken warmen Sake aus kleinen Keramikflaschen und reden. Bereits nach wenigen Seiten, aber spätestens an folgender Stelle der Geschichte, weiß ich, es ist mehr als Sympathie, das beide verbindet: Der Sensei war für mich, wie soll ich sagen, wie die Buchschleife um den Schutzumschlag eines Buches, die man nicht abmachen und wegwerfen will (S. 32). Weiterlesen

Johanna Adorján. Geteiltes Vergnügen

adorján_geteiltes_vergnügenGeteiltes Vergnügen ist ein Roman, den ich in rasantem Tempo und kaum ohne anzuhalten durchlese, der mich erfrischt und auf eine seltsame Weise glücklich macht. Ist es ein Liebesroman? Ein Beziehungsdrama? Vielleicht ist es einfach eine alltägliche Geschichte darüber, wie eine Frau und ein Mann sich begegnen, sich ineinander verlieben und versuchen, das Beste draus zu machen. Es ist das übliche Spiel von Anziehung und Abstoßung, das die beiden spielen. Nein, falsch, es ist das Spiel, das er spielt. Denn Tom macht total auf unverbindlich.

Etwa in der Hälfte der Story – die Beziehung zwischen ihm und seiner Freundin scheint bestens zu laufen – sagt Tom zu ihr, dass er mit ihr der Mensch sei, der er immer gern gewesen wäre. Etwas anderes will sie eigentlich nicht hören. Schließlich heißt das doch, er hat alle Freiheit, die er braucht, er darf der sein, der er ist. Dank ihrer Großzügigkeit. Klingt erstmal positiv. Ist es das auch? Ich weiß nicht. Ich traue Tom nicht! Und was ist überhaupt mit ihrer Freiheit? Ihren Sehnsüchten?

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Monique Schwitter. Eins im Andern

schwitter_eins_im_andernJung heiraten und nach 25 Jahren Silberhochzeit feiern? Während all dieser Jahre über die Ticks und die Mängel des einen Ehemannes jammern? Nicht im neuen Roman von Monique Schwitter. Ihre namenlose Protagonistin gibt sich in dem Moment hin, wo die Liebe da ist und sie gibt sich dann hin, wenn sie Lust dazu hat. Die Liebe, mein Herz, kann man sich nicht aussuchen, war einer von vielen Sätzen, die ihre Großmutter immer zu ihr gesagt hat. Wie war dieser Satz gemeint? Dass plötzlich der richtige Mann vor dir steht? Die eine große Liebe? Oder kommt die Liebe wie eine einzige Gesandte und zeigt sich in verschiedenen Männern. In zwölf Männern beispielsweise? Die junge Ich-Erzählerin beginnt, mit diesem Gedanken zu spielen. Namen vergangener Lieben kommen ihr in den Sinn. Sie gibt ihnen die Namen der zwölf Apostel … Petrus, Andreas, Thomas, Philipp, Thadeusz … Und während sie sich einen Kaffee macht, flüstert sie leise:  Weiterlesen

Lena Gorelik. Null bis unendlich

Zerpenschleuse 1 Adieu, sweet summer … wie werde ich dich vermissen. Und auch dies: mit einem Buch am Wasser zu sitzen und zu lesen.

Sanela aus Lena Goreliks neuem Roman liebt das Wasser ebenso, ganz besonders aber liebt sie das Meer, denn sie ist an der Adria aufgewachsen. Das Meer bedeutet für sie Freiheit. Das Meer ist manchmal und besonders im Herbst und im Winter herrlich wütend, so wie Sanela selbst.  Als sie noch nicht so gut Deutsch spricht, schreibt sie auf einen kleinen Zettel für Nils, ihren Sitznachbarn in der Schule: „Ich mechte mer am Mer sein“. Das berührt mich. Und es berührt mich auch, dass Nils sie in diesem Moment nicht korrigiert, dass er schweigend und verständnisvoll dieses kleine Bekenntnis annimmt. Weiterlesen