Schlagwort-Archive: Krieg

Steffen Kopetzky. Propaganda

ffd99ef9-be0b-48b7-bb4a-5ce7f2051bd6Über die Schlacht im Hürtgenwald – auch die Allerseelenschlacht genannt – gibt es unzählige historische Berichte und Dokumente. In Deutschland dennoch wenig bekannt, ist sie für die Amerikaner eine unvergessen schreckliche Erfahrung und ein riesiges Desaster. Vielleicht hatte man nach der Landung der US Army in der Normandie im Juni 1944 auf eine rasche Durchquerung der Eifel und auf einen schnellen Sieg gehofft.
Doch der November 1944 war nass und kalt. Und der Hürtgenwald geprägt von tiefen Schluchten und nahezu undurchdringlichen dunklen Tannenwäldern. Tagelang hockten die GIs in Löchern, die sie sich zum Schutz gegraben hatten. Das eingelaufene Regenwasser betäubte ihre Füsse.
Um sich bei Laune zu halten, redeten sie oft vom Essen. Eine für mich völlig unbekannte Tatsache: viele der GIs waren Pennsylvania-Deutsche. Und so wirken ihre Gespräche absurd komisch, denn es geht darin um Semmelklös und Kneedelbrot, welche niemand auf der Welt so gut kochen konnte wie die eigene Mudda. In solchen Momenten hellt sich das düstere Thema Krieg immer auf. Weiterlesen

American War – düster, melancholisch und voll flammender Kraft

el_akkad_american_warBeim Lesen von American War stellt sich bei mir das Gefühl ein, alles sei ganz ohne Farbe. Als würde ich einen alten Schwarz-Weiß-Film mit braunen Tönungen schauen. Da ist immer wieder das morastige Wasser des nahen Flusses, da ist die Hütte der Familie Chestnut (selbst die tropfende Wäsche auf der Leine besteht aus unauffälligen Kleidungsstücken in weiß und beige), da sind die trostlosen Weiten Amerikas. Kein Grün. Kein Leuchten. Keine Hoffnung. Es ist das Jahr 2074 und zwischen den Nord- und den Südstaaten Amerikas herrscht Krieg. In all dieser Tristesse leuchtet eine kleine Heldin. Mutig, entschlossen und wild. Sara T. Chestnut. Allein wegen ihr lohnt sich diese Story.  Weiterlesen

Schreiben gegen den Schmerz.

malek_der_spaziergänger_von_aleppoKarfreitag. Ein Tag der Stille und des Nachdenkens. Meine Schwester schreibt mir eine lange Mail aus Indien. Dort nennt man den heutigen Tag Good Friday. Das gefällt mir sehr. Möge es ein guter, ein entspannter Tag werden. Die Zeiten sind unruhig und oft mag ich das Radio gar nicht mehr anschalten. Möchte gern weiter in meinem kleinen Glück aus Büchern, Musik, Freunden und Familie bleiben. Hier in Berlin.

In seinem schmalen Buch Der Spaziergänger von Aleppo erzählt Niroz Malek in einer Balance zwischen Traum und Realität vom Leben im heutigen Aleppo: Geschichten aus einer zerstörten und traumatisierten Stadt – Ruinenlandschaft aus verwinkelten Gassen, zerstörten Kirchen und Moscheen, über welcher düster die alte Zitadelle thront. Bei mir hinterlassen diese Geschichten das Gefühl, im Barcelona der Nachkriegszeit zu sein. Wer dieses Buch aufschlägt und „das Tor öffnet“ (auf dem Buchcover abgebildet: das Eingangstor der Zitadelle von Aleppo), der betritt eine düstere mystische Welt voll dunkler Gestalten – Menschen in ständiger Angst um ihr Leben, Untote, welche nie zur Ruhe kommen und natürlich unzählige Tote.

Dennoch will Niroz Malek diese Welt nicht verlassen. Weiterlesen