Schlagwort-Archive: Insel Verlag

Ein Baum wächst in Brooklyn von Betty Smith

smith_baum_wächst_in_brooklyn_insta1901 erblickt in Brooklyn die kleine Frances Nolan das Licht der Welt. Ein Jahr später folgt Bruder Neeley. Ihre Eltern Katie und Johnny sind jung, viel zu jung! Sie geben ihr Bestes, doch die Zeiten sind schlecht und immer ist zu wenig Geld da. Deswegen erzählt aber Ein Baum wächst in Brooklyn keine düstere Geschichte. Traurige Szenen kommentiert die Autorin mit lustigen, manchmal sarkastischen Worten und findet insgesamt einen sehr stimmungsvollen, einen heiteren Ton. Und genau so beginnt diese Geschichte: “Heiter” war ein Wort, das auf Brooklyn, New York, passte. Zumal im Sommer 1912 … zumal an einem Samstagnachmittag im Sommer. Am Spätnachmittag schien die Sonne schräg in den vermoosten Garten, der zu Francie Nolans Haus gehörte (Seite 9).  Weiterlesen

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Jocelyne Saucier. Ein Leben mehr

saucier_ein_leben_mehrIn der Wildnis und Abgeschiedenheit der kanadischen Wälder gelingt drei Menschen das Unmögliche – sie nehmen sich die Freiheit, zu leben und zu sterben, wie sie es wünschen. Genießen jeden Tag so intensiv, als ob es der letzte wär. Jocelyne Saucier, die selbst in einem kleinen Ort im Wald im nördlichen Québec lebt, hat mit diesem schmalen Buch einen großen Roman geschrieben, in welchem sie das Thema „Selbstbestimmt leben und sterben“ aufgreift und verarbeitet. Jeder Satz stimmt, nichts ist beschönigt und dennoch lebt ein ganz besonderer Zauber zwischen den Zeilen, klingen manche Textstellen wie ein alter melancholischer Gesang. Vermischt mit den Stimmen des Waldes.  Weiterlesen

Ernst Penzoldt. Squirrel

Bin in melancholische Stimmung. 41t57i3CW2L._SL500_SS160_

Also greife ich eines meiner Lieblingsbücher, welches es leider nur noch antiquarisch gibt (dafür aber für wenig Geld). Vielleicht entschließt der Insel Verlag sich ja irgendwann zu einer Neuauflage. „Squirrel“ hätte es verdient!

Ein kleiner feiner und sehr unterhaltsamer Roman, geschrieben 1954. Wer ausgewählt schöne Sätze und noch dazu eine zeitlos und bis in alle Ewigkeit gültige Story lesen mag, der wird mit „Squirrel“ genau diese Ansprüche erfüllt wissen.

Es gibt sie immer und überall: Leute wie die Kuttelwaschers und die Stübleins. Die einen überdrüssig von ihrem sich ständig wiederholenden langweiligen Leben (Kutt, Mutt und die erwachsenen Kinder Anselm und Barbara). Die anderen sich verzehrend von Hass und nachbarschaftlichem Neid (Bruder und Schwester Stüblein).

Und dann eines Tages, einer Sensation gleich, da taucht in dem kleinen Ort ein fremder Mann auf. Sehr jung. Mit strahlenden Augen und verstruwweltem Haar. Kennt weder Vater noch Mutter oder den Tag seiner Geburt. Was die Figur des Squirrel so außerordentlich symphatisch macht: er braucht kein Telefon, kein Geld, keine Freunde. Er arbeitet nicht, kennt kein Gestern, kein Morgen und lebt in völliger Harmonie mit sich selbst. Seine Anwesenheit verändert das Leben der Menschen, die ihm Gutes tun (eine Zigarette, etwas zu essen, ein Nachtlager). Traurig, dass die meisten zu spät erkennen, welches Glück es ist, einen wie Squirrel in der Nähe zu haben, der niemals etwas erwartet, der weder manipuliert noch fordert.

Dieses Buch habe ich empfohlen bekommen und bin total glücklich, mal jenseits vom gegenwärtigen Literaturtrubel einen solchen Schatz entdeckt zu haben und ihn für immer und ewig in mir zu tragen.

Squirrel zu vergessen – unmöglich!!!!!

P.S. Auch Thomas Mann war ein begeisterter Squirrel-Fan, wie ein Zitat auf dem Klappentext zeigt…..

„Ein schmaler Roman von unbeschreiblichem Zauber, der mich tagelang glücklich machte. Die Erscheinung von etwas ganz Leichtem, Sorg- und Nutzlosem, kurzum Poetischem, in der geheimnisvollen Person eines jungen Vagabunden, der während eines kurzen Verweilens alle Herzen gewinnt, allen etwas befreiend überraschendes mitteilt, alle einen Augenblick bessert und dann wieder entschwindet – mehr ist es nicht, aber es ist entzückend.“