Schlagwort-Archive: Flucht

Margaret Mazzantini. Das Meer am Morgen

mazzantini_das_meer_am_morgenFarid, Nachfahre nomadisierender Beduinen in Libyen, hat das Meer nie gesehen. Nie ist er durch seine erfrischenden Wellen getaucht. Doch in seiner Phantasie sieht er es oft vor sich … sternenübersät wie der Mantel eines Paschas. Blau wie die blaue Mauer der toten Stadt. Er hat die versteinerten Muscheln gesucht, die vor Jahrmillionen verschüttet wurden, als das Meer in die Wüste kam. Hat den Eidechsenfischen nachgespürt, die unterm Sand schwimmen. Er hat den Salzsee gesehen und den Bittersee und die silbrigen Dromedare, die sich wie ramponierte Schiffe vorwärtsbewegen. Er wohnt in einer der letzten Sahara-Oasen (S. 7). Als sein Vater von Rebellen getötet wird, fliehen seine Mutter Jamila und Farid mit dem letzten Geld, das sie besitzen, zum Meer. Dort erwartet sie ein Schlepperschiff mit einem GPS, welches sie an die Küste Italiens bringen soll …  Weiterlesen

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Abbas Khider. Die Orangen des Präsidenten

khider_orangen_btbIn wenigen Tagen erscheint bei Hanser Literaturverlage der neue Roman „Ohrfeige“ von Abbas Khider. Ich sehe das als einen Anlass, nochmal inne zu halten und mich zu erinnern, was damals das Buch „Die Orangen des Präsidenten“ mit mir gemacht hatte …
In meinem Notizbuch von 2011 finde ich einleitend die Worte von Denis Scheck, der in seiner Sendung „Druckfrisch“ den Roman ein paradiesisches Buch, das direkt in die Hölle führt nannte. Besser kann man es kaum sagen. Dieser Roman mit seinen 160 Seiten – an welchem Abbas Khider drei Jahre lang geschrieben hat –  vereint Glück und Unglück, Schönheit und Grausamkeit auf einzigartige Weise. Er wollte seine Leser unbedingt auch unterhalten mit seiner Geschichte, wollte nicht nur schockieren. Er wollte von der Schönheit seiner Heimat erzählen und gleichzeitig auch von Saddam, von Folter und von Haft. Das ist ihm auf ganz besondere Weise und auf höchstem literarischen Niveau gelungen. Ich erinnere mich, wie fasziniert und beeindruckt ich war, als ich vor fünf Jahren umsonst nach einem arabischen Übersetzer im Impressum suchte – Khider hat diesen Roman (wie alle anderen Romane auch) auf Deutsch geschrieben. Weiterlesen

Lutz Seiler. Kruso

Wustrow 2014 005Die Schreie der Möwen und das Rauschen des Meeres im Ohr, genieße ich es, am Strand der Ostsee zu sitzen und „Kruso“ zu lesen. Es ist ein grauer Tag, ab und zu kommt eine neugierige Möwe vorbei. Zwischen Sanddorn und Brombeergebüsch verschwinde ich mit Lutz Seiler nach Hiddensee in jenen Sommer ’89. Aus den grauen Nebeln ersteht vor meinem inneren Auge das große hölzerne Gebilde des Klausners auf der Klippe am stürmischen Meer …

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