Schlagwort-Archive: dystopischer Roman

Spannend, dystopisch und leise hoffnungsvoll – Der Report der Magd

atwood_der_report_der_magdWenn man einen Roman nach vielen (sehr vielen!) Jahren erneut liest, dann begegnet man irgendwie auch einer jüngeren Version seiner selbst. Ich sehe mich, wie ich damals erschüttert und mit Schauern der Angst das Schicksal Desfreds verfolgte. Erinnerten mich doch viele Passagen an die gerade untergegangene DDR. Abweichler vom vorgegebenen System werden bestraft. Orangen sind rar. Mauern sind mit Stacheldraht gesichert …

Heute bin ich einfach extrem fasziniert, wie sehr Margaret Atwood schon 1985 (Erscheinungsjahr des englischen Originals) gesellschaftliche und politische Strömungen erahnen konnte und diese ins Zentrum ihres Romans stellt. Mit coolem Weitblick schaut sie aus den Achtziger Jahren des 20. in die Zwanziger Jahre des heutigen Jahrhunderts. Weiterlesen

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Seelenlos … Leere Herzen von Juli Zeh

zeh_leere_herzenMeist ist es der erste Satz. Und wenn der es nicht ist, dann muss ein Roman mich mindestens auf den nächsten 20, 30 oder wenigstens 50 Seiten faszinieren. Diese Chance bekommt jeder Roman von mir. Begeistert er mich nicht, verabschiede ich mich schnell von der Lektüre. Angesichts der unzähligen Neuheiten, die fast täglich auf mich einstürmen, habe ich mich für diese radikalen Abbrüche entschieden.

Leere Herzen also. Hier sitze ich nun, starre auf Seite 270 und vermag einfach nicht umzublättern. Wozu? Will ich denn wirklich wissen, was auf den letzten 80 Seiten passiert? Eigentlich nicht. Und all die Zeit, die da noch drauf geht! Ermutigt von drei befreundeten BuchhändlerInnen, deren Meinung ich stets sehr schätze, werde ich deshalb hier und jetzt einfach abbrechen. Ich werde nie erfahren, wie die Story endet. Und es stört mich kein bißchen!  Weiterlesen

Nächte totenstill und totschwarz – McCarthy. Die Straße

mccarthy_die_strasseEigentlich wollte ich das traurige Jahr 2016 mit diesem düster-melancholischen Buch beenden. Wie passend, hatte ich mir gedacht. Ich begann mit dem Lesen. Düstere Endzeitstimmung! Mir fehlte dann doch die Kraft …
Heute ist der 22. Januar und das Buch liegt neben mir. Ja, ich habe es nun ausgelesen, wollte wissen, wie es endet. Diese Vater-Sohn-Geschichte hatte mich irgendwie vom ersten Satz an berührt und einfach nicht losgelassen. Wie sich beide durch dieses völlig zerstörte und in Asche gehüllte Amerika schleppen. Keine Sonne. Nur graue Tristesse. Die Nächte totenstill und totschwarz. So kalt. (S. 241).
Der Plan, nach Süden ans Meer zu gehen sowie die damit verbundene Hoffnung, geben Vater und Sohn Kraft. Ob das Meer blau sei, fragt der Junge. Der Vater weiß nur, dass es früher blau war. Früher, als es noch Möwen und Fische gab –  Weiterlesen