Schlagwort-Archive: Carl Hanser Verlag

Minna Rytisalo. Lempi

rytisalo.lempiIm Roman Lempi erzählt Minna Rytisalo eine geheimnisvolle Geschichte, welche dank der verschiedenen Erzählperspektiven auch noch extrem spannend zu lesen ist. In drei Teilen nämlich erinnern sich Ehemann Viljami, Magd Elli und Lempis Schwester Sisko an sie. Und während Viljami voller Wärme und Liebe von ihr spricht, sind Ellis Gedanken voller Neid und Eifersucht. Lempi selbst ist zwar komplett abwesend, dank der Gedanken der anderen jedoch sehr präsent.  Weiterlesen

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Zwischen Verrücktheit und Wahnsinn – Lisa Halliday und ihr Roman Asymmetrie

img_4058Oft entscheide ich nach einem kurzen Blick auf den Anfang eines Romans – will ich das sofort lesen oder versuche ich es später erneut. Bei Lisa Halliday war klar: Lesen! Jetzt! Allein das coole Cover mit der zersplitterten Ansicht von New York fasziniert mich. Schließlich packt die Geschichte um die 25-jährige New Yorker Lektorin Alice und den viel älteren Autor Ezra Blazer mich mit den ersten Sätzen:

Alice wurde es langsam leid, so allein herumzusitzen und nichts zu tun zu haben: Immer wieder mal warf sie einen Blick in das Buch auf ihrem Schoß, doch es waren fast nur lange Absätze und keinerlei Anführungszeichen darin, und was lässt sich schon mit einem Buch anfangen, dachte Alice, in dem es keine Anführungszeichen gibt?
Daher überlegte sie gerade (so gut es eben ging, denn es war nicht ihre Stärke, Dinge zu Ende zu bringen), ob sie wohl eines Tages selbst ein Buch schreiben sollte … (Seite 11).

Ihre Gedanken werden unterbrochen, als ein Mann mit Eiswaffel auf sie zu tritt und ein Gespräch mit Alice beginnt. Es ist der bekannte amerikanische Autor Ezra Blazer. Er ist 72 Jahre alt. Weiterlesen

Alex Capus. Das Leben ist gut

capus_das_leben_ist_gutMax und Tina sind ein Schweizer Ehepaar, seit 25 Jahren glücklich verheiratet, drei Söhne im Teenageralter. Das klingt langweilig, doch suggeriert das Cover ja schon mal eine großartige Familiengeschichte. Ein Foto aus den 50er Jahren. Spielt denn die Geschichte auch in dieser Zeit? Nein, denn da gab es keine Smartphones. Und die Söhne von Max spielen die meiste Zeit an ihren Smartphones. Und sonst? Wie alt sind die Söhne? Wie heißen sie? Keine Ahnung, denn das scheint dem Autor nicht wichtig, muss er doch mit den selbstverliebten Innenansichten seiner Figur Max langweilen. Max ist Inhaber der Sevilla-Bar, er erzählt, was er da täglich tut und dass er seine Tina vermisst (die für eine Gastprofessur in Paris weilt).
Stöbert man ein bißchen in den Medienberichten, findet man heraus, dass auch Alex Capus seit 25 Jahren verheiratet ist und eine Bar besitzt – die Galiciabar in Olden. Natürlich mit einem stattlichen Toro! Weiterlesen

Julya Rabinowich. Dazwischen: Ich

rabinowich_dazwischen_ich_hanserWeil unausgesprochene Worte manchmal wie Hühnerknochen sind, die sich im Hals verkeilen, schreibt die fünfzehnjährige Madina alles auf, was sie bedrückt. Eigentlich ist sie ein ganz normales Teenagermädchen, das sich Gedanken um das Leben, um die Schule und um seine Familie macht. Wenn da nicht ihre Vergangenheit wäre …

Wo ich herkomme? Das ist egal. Es könnte überall sein. Ich komme von überall. Ich komme von Nirgendwo. Hinter den sieben Bergen. Und noch viel weiter. Dort, wo Ali Babas Räuber nicht hätten leben wollen. Jetzt nicht mehr. Zu gefährlich (S. 7).

Autorin Julya Rabinowich lässt ihre Figur Madina Tagebuch schreiben und gibt so unzähligen Mädchen aus verschiedensten Ländern eine einzige sehr persönliche Stimme. Diese beeindruckt, hallt lange nach. Dazwischen: Ich ist ein Jugendroman, auch für Erwachsene. Seine Kraft und Stärke liegt in der ganz besonderen Sprache zwischen frech und schüchtern, draufgängerisch und verängstigt. Manchmal springt die Stimmung von einer Zeile zur nächsten. Von nachdenklich auf aggressiv. Beispielsweise fragt Madina sich, warum sie oft und gerne richtig wütend ist. Naja, schreibt sie, sie fühle sich dann lebendig. Wenn ich traurig bin, spüre ich wenig, fast nichts. Scheiß dich nicht an (S. 76).  Weiterlesen