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Graeme Simsion. Das Rosie-Projekt. Aus dem australischen Englisch von Annette Hahn

u1_978-3-8105-1951-1Wie findet man die kompatible Ehefrau für’s Leben? Fragt sich Don Tillman, Professor der Genetik. 39 Jahre alt, überdurchschnittliches Einkommen, intelligent und sportlich (Aikido und Radfahren!). Er startet sein Ehefrauenprojekt mit einem 16seitigen Fragebogen. Doch die Bewerberinnen sind rar und Don außergewöhnlich streng. Entspricht eine Frau seinen Kriterien nicht, wird sie als mögliche Ehefrau sofort gestrichen. Bis eines Tages  die zauberhafte Rosie vor ihm steht: Raucherin, Vegetarierin, Zuspätkommerin. Außerdem unsportlich! Das sind bereits vier Punkte auf dem Ehe-Ausschlußbogen.

Spätestens an diesem Punkt der Story wird klar, dass Don nach den Gestzen der Logik für viele Frauen zwar attraktiv sein sollte. Es aus verschiedenen Gründen aber nicht ist. Unpünktlichkeit ist für Don eine immense Zeitverschwendung. Verliert er auch nur wenige Minuten in seinem streng kalkulierten Tagesplan, bricht für ihn das Chaos aus. Was ihn außerdem sonderbar wirken lässt, das ist sein Standartmahlzeitenmodul. Wirklich crazy! Aber sehr effizient, weil es das tägliche Nachdenken über Einkäufe reduziert. Don ernährt sich nach einem strengen Wochenplan. Dienstag immer Hummer!

Doch Rosie, die unkonventionelle Rothaarige und notorische Raucherin, wirbelt Dons Leben richtig durcheinander. Sie ist auf der Suche nach ihrem genetischen Vater, wobei Don ihr eine große Hilfe ist. Gemeinsam geraten sie in ziemlich außergewöhnliche Situationen. Den für mich schönsten Moment jedoch erleben Don und Rosie im New Yorker Museum der Geschichte des Universums.          Don kann dort Stunden und ganze Tage verbringen, Rosie zeigt sich eher desinteressiert, lässt sich aber schließlich überreden, ihn zu begleiten.             Beide blicken auf die ungeheure Weite und als Rosie schließlich einfach „wow“ sagt, ist Don schwer beeindruckt, sei dieser Ausspruch doch „eine verbale Version seiner Betrachtungsweise“. Ein seltener Moment! Und so halten Rosie und Don sich für einen verschwindend kleinen Bruchteil der Geschichte des Universums an der Hand.

Ihre Freundschaft ist ansonsten geprägt von allerlei Turbulenzen, doch das Besondere daran ist, dass sich beide gegenseitig respektieren. Und das ist – für mich jedenfalls – auch die Botschaft des Romans: den Anderen in seinem So-Sein akzeptieren, seine Ticks und Macken lieben lernen, statt ihn verändern und „verbessern“ zu wollen. Besser als jeder Ratgeber über Freundschaften und Beziehungen –

Der Roman ist klug erzählt und insgesamt voller Situationskomik und tragisch-schöner Momente.  Ich habe bereits von so vielen Freundinnen und Buchhändler-Kolleginnen positive Feedbacks bekommen, dass ich meine letzte Lese-Empfehlung für dieses Jahr unbedingt heute noch an Euch weitergeben möchte. Die Geschichte um Don und Rosie ist wirklich einzigartig und ein perfekter Ausklang 2013