Schlagwort-Archive: 70er Jahre

Haruki Murakami. Wenn der Wind singt. Pinball 1973 – eine bekennende Harukinistin erzählt

murakami_wenn_der_wind_singtAm 15. Oktober 2010 bin ich Haruki Murakami begegnet. Es gab keine Garantie für sein Kommen. Es gab keine Garantie für sein Bleiben – nicht einmal, als er dann wirklich und real dort auf der Bühne im Admiralspalast saß. An einem schmalen Holztisch, mit Blick ins Publikum. Und jeder wusste, er würde wortlos die Bühne verlassen, sollte ein einziges Handy aufblitzen.  Bitte nicht fotografieren, mahnte ein Banner über der Bühne.

Vielleicht gerade deshalb ist dieses Ereignis in meinem Kopf minutiös aufgezeichnet. Ich musste mich nicht auf den Moment für das perfekte Foto konzentrieren. Ich war hochgradig und mit 100 % in der Gegenwart. Ganz besonders, als ich mich in die Schlange zum Signieren einreihte. Auch hier gab es Beschränkungen: keine Bierdeckel, keine Notizblöcke und auch keine Unterarme (!!) würde Murakami signieren, sondern nur ein einziges Buch: 1Q84!! Mit diesem Roman und der Taschenbuchausgabe von Wilde Schafsjagd unter dem Arm, rückte ich in der Schlange weiter vor. Stand dann vor ihm. Mutig, optimistisch und mit einem strahlenden Lächeln wedelte ich mit der Wilden Schafsjagd. Auf meine Frage „It’s possible, to take two?“, nickte Murakami großzügig. Signierte beide Bücher für mich. Dabei haben wir ein bißchen geplaudert.

Und jetzt sitze ich hier, habe diese Bilder im Kopf und lese seine beiden ersten Romane Wenn der Wind singt (1979) und Pinball 1973 (1980).
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Dato Turaschwili. Westflug

Turaschwili, WestflugEin paar junge Leute aus Georgien wollten einfach nur die Freiheit –

Dato Turaschwili, geboren 1966 in Tblissi und einer der bedeutendsten Schriftsteller Georgiens, hat ihre Geschichte aufgeschrieben und damit ein jahrzehntelanges gesellschaftliches Tabu gebrochen. Bis heute ist nicht vollständig aufgeklärt, was damals geschehen ist. Und somit ist „Westflug“ nicht nur spannendes Zeitdokument, sondern auch literarisch erzählte faktenreiche Story, die dank der Fotos im Anhang auf besondere Weise erschüttert und berührt. Nach Nino Haratischwilis Roman „Das achte Leben“ komme ich an „Westflug“ einfach gar nicht vorbei, entdecke Ähnlichkeiten, Überschneidungen. Und bin an einer Stelle der Geschichte gedanklich sogar sofort bei Haratischwilis Kitty im Gefängnis. Wieder bin ich schockiert, wie rücksichtslos und unmenschlich das sowjetische Regime mit den Menschen umging, die nicht ins System passten.

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Elif Shafak. Ehre

Was für eine wundervolle Verbindung:

Shafak_Ehre_HCEin paar Tage Urlaub in der Türkei machen, unzählige Gläschen Tee (mit viel Zucker!!) leeren, der wundervollen türkischen Sprache sowie dem endlosen Rauschen des Meeres lauschen und dabei einen Roman lesen, der mich genau dorthin entführt: in die Türkei.

Ich habe mich für das „echte“ Buch entschieden, denn Herzensbücher als eBook zu lesen, das schaffe ich nur in ganz wenigen Ausnahmen. Es  muss beim Blättern nach Papier duften, ich will dem Rascheln der Seiten nachspüren und natürlich mein geliebtes Lesezeichen aus Stoff benutzen. Mit dem türkischen Halbmond …

türkischer tee 002Auch wenn „Ehre“ nicht ausschließlich in der Türkei spielt, besitzt der Roman doch eine ganz besondere Atmosphäre, die mich absolut in ihren Bann zieht. Auch Shafaks Figuren sind wieder so lebendig! Allen voran Iskender Toprak, seine Mutter Pemba, die Geschwister Esma und Yunus. Die kleine Familie emigriert in den 70er Jahren aus dem kurdischen Teil der Türkei  nach London. Die alten Traditionen und Wertvorstellungen aus dem Leben im kurdischen Dorf bringen sie mit.  Weiterlesen