Schlagwort-Archive: 50er Jahre

Sylvia Plath. Die Glasglocke

plath_die_glasglockeIhr Ton ist schnodderig, kühl, manchmal frech. Scheinbar emotionslos. Esther Greenwood ist aber weder kühl noch unsensibel. Sie ist ein „kleines Mädchen“ in der großen Stadt. 1953 kommt sie für ein Volontariat bei einer angesehenen Modezeitschrift aus Boston nach New York. Sie will sich perfekt verhalten, will alles richtig machen. Doch hinter ihrer Coolness und dem schnodderigen Ton verbirgt sich eine extrem empfindsame Seele. So empfindsam, dass Esther eines Tages zu Tabletten greift. Sie leidet unter einer schweren Depression, hat das Gefühl, unter einer Glasglocke zu sitzen, in welcher sich der Dunst wie Watte um sie schiebt, bis sie sich nicht mehr rühren kann. Den Vorschlag ihrer Mutter, zu verreisen, lehnt sie ab, denn … egal, wo ich saß – ob auf dem Deck eines Schiffes oder in einem Straßencafé in Paris oder Bangkok -, immer saß ich unter der gleichen Glasglocke in meinem eigenen sauren Dunst (S. 200).  Weiterlesen

Patricia Highsmith. Carol oder Salz und sein Preis

Highsmith_Carol_oder_Salz_und_sein_PreisDer Sommer boomt, die Hitze in der Großstadt ist kaum noch auszuhalten. Warum also die Gedanken nicht mal wandern lassen an einen kühleren Ort und in eine andere Zeit … Vorweihnachtliche Stimmung im New York der 50er Jahre. Um sich ein wenig Geld dazu zu verdienen, arbeitet Therese in der Spielzeugabteilung eines Kaufhauses. Übermächtig lastet auf ihr das Sinnlose ihrer Tätigkeit. Sie hat das Gefühl, dieser Job mit seiner hoffnungslosen Tristesse hindere sie daran, das zu tun, was sie eigentlich gern tun würde. Sie ist Bühnenbildnerin und entwickelt mit großer Leidenschaft Modelle für Theaterbühnen. Doch fehlt ihr die Zeit für Kreativität. Auch macht ihre Beziehung mit Richard sie nicht glücklich. Er ist gut zu ihr und manchmal war ihr, als wäre sie verliebt … Doch diese Empfindung hatte keine Ähnlichkeit mit dem, was sie über die Liebe gelesen hatte. Die Liebe galt als eine Art seligen Irrsinns (S. 42). Und wenn sie die Arme um Richard legte, dann kam sie sich gehemmt und töricht vor, als würde sie einen Baumstamm umarmen (S. 35).

In all dieser sinnlosen Tristesse steht eines Tages Carol vor ihr. Weiterlesen