Die Faye-Trilogie

Etwas Außergewöhnliches ist passiert. An einem ganz gewöhnlichen Samstagmorgen im KulturKaufhaus Dussmann hole ich den neuen Roman und somit letzten Teil der Trilogie von Rachel Cusk aus den Bücherkisten und spüre, dass diese Autorin mich regelrecht „ruft“, als würde sie sagen Lies mich!

Und weil ich diese magische innere Stimme nicht das erste Mal höre, kaufe ich In Transit, verbringe mein Wochenende mit Faye und habe das Gefühl, eine neue Freundin zu haben. Das ging mir auch so mit Joan Didions Süden und Westen oder mit Chris Kraus und ihrem Buch I love Dick. 

Auch diese beiden Autorinnen schenken mir ihre Innenansichten, lassen mich teilhaben an ihrem Blick auf die Dinge, an ihren Gedanken und Gefühlen über das Leben, die Männer, die Liebe, den Sex und den Alltag.

Mit Faye bin ich in London, erlebe die schrecklichen Bauarbeiten in ihrer Wohnung, höre mir die Geschichten ihrer Freunde an oder lerne Männer kennen. Faye hat außerdem zwei Söhne, die aber momentan beim Vater leben. Purer Alltag eigentlich. Rachel Cusk beschreibt das alles ganz reduziert. Die Dinge passieren einfach, Faye beobachtet und erzählt darüber mit lakonischem Blick. Kurz, knapp, charmant. Sie beschreibt nicht seitenlang, wie sie Tee trinkt oder eine Zigarette raucht. Warum ich einem Vergleich mit Karl Ove Knausgard nur bedingt zustimmen könnte.

Rachel Cusks Reflexionen sind in hohem Maße literarisch, obwohl die Art ihres Erzählens keinem klassischen Stil entspricht. Alles, was eine im „klassischen Sinn“ erzählte Geschichte ausmachen würde, fehlt hier. Es gibt keine Rahmenhandlung, keinen Plot oder gar Cliffhanger. Und doch machen ihre Geschichten auf eine besondere Art süchtig, sodass ich bereits in die erste Story von Kudos reinlesen musste.

Rachel Cusk. In Transit. Aus dem Englischen von Eva Bonné. Suhrkamp Verlag. Berlin 2017. 237 Seiten. 11,- €

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