Ralf Rothmann. Hitze

Ralf_Rothmann_HitzeEben lese ich die sehr positive Rezension zum neuen Roman von Ralf Rothmann bei pop-polit und will nun sofort „Im Frühling sterben“ lesen. Rothmann ist auch für mich einer der ganz großen Autoren. Seine Sprache ist exzellent. Und die Storys, welche er erzählt, überraschen mich immer neu. So auch „Hitze“, das zu großen Teilen im Berliner Bezirk Kreuzberg einige Jahre nach der Wende spielt. Eine neue Empfehlung in meiner Reihe „Wiedergelesen in 8 Sätzen“. Und passt in jeden Koffer:

Blickt man die rußige Fassade hinauf, sind die Tauben nur mit Mühe vom Stuck zu unterscheiden, von dem Lorbeer und den Lilien aus Stein, an die sich geschmiegt haben … Kalter, nach Braunkohle riechender Wind treibt Graupel über den Asphalt und erzeugt ein Rascheln in den Bäumen, alten Eichen, riesigen Kastanien … (S. 11).

Es ist Herbst, die Stimmung des Romans passt sich der Tristesse dieser ersten kühlen Tage perfekt an. Simon, ehemaliger Kameramann und stiller Außenseiter, der seine Frau verloren hat (Krankheit? Unfall?), lässt sich treiben durch dieses regennasse, graue, matschige Berlin. Über einen Fahrdienst versorgt er mit ein paar Kumpels Kunden in Ost und West mit abgepacktem Essen und verliebt sich auf einer dieser Touren in das junge Mädchen Lucilla aus Polen.

Rothmann_HitzeBeide verbringen bei großer Hitze ein paar außergewöhnlich schöne Tage in Lucillas Heimatdorf an der Pommerschen Seenplatte, wo es zu einer grandiosen Badesee- und Liebesszene kommt. Sowohl die urwüchsige pommersche Landschaft als auch das triste Berlin – Rothmann schildert mit genauem Blick und skizziert ganz besonders treffend die Kreuzberger Szene zwischen Lebenskünstlern, Obdachlosen und türkischem Imbiss. Doch genau diese typische Berliner Tristesse umschlingt Simon dann ziemlich schnell auch wieder, und was bleibt, das ist die Erinnerung an ein geniales Wochenende –

Ralf Rothmann. Hitze. Suhrkamp Verlag GmbH & Co. Berlin. 290 Seiten.  11,- €

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9 Antworten zu “Ralf Rothmann. Hitze

  1. Das gibt es doch nicht, ich habe gerade eine Rezension Zu „Shakespeares Hühner“ von Ralf Rothmann geschrieben, ziehe nur die Bilder rüber und stelle sie dann rein. Dies ist eines meiner Lieblingsbücher, wie schön deine Rezension zu lesen.

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  2. Hört sich toll an. Ich habe noch nichts von Ralf Rothmann gelesen. Suche aber noch Taschenbücher für meinen Urlaubskoffer. Denke das könnte dort hineinpassen. Hast du noch mehr Tipps für meine Urlaubslektüre?
    Lg
    lesesily

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    • Liebe leselilly, was könnte noch in deinen Urlaubskoffer? Ich nenne dir jetzt einfach mal ein paar Herzensbücher von mir, ohne etwas zu den Büchern zu sagen. Vielleicht magst du mir einfach vertrauen 🙂
      Mein Lieblingsbuch von Ralf Rothmann ist ja „Junges Licht“ – es erzählt von einem sehr langen heißen Sommer. Von einem Vater, einem Sohn und einem jungen Mädchen … Großartig!!!
      Und weiter geht’s:
      Jan-Philipp Sendker, Das Flüstern der Schatten (China/Hongkong)
      José Luis Sampedro, Das etruskische Lächeln (Italien/Rom)
      Natalia Sanmartin Fenollera, Das Erwachen der Senorita Prim (Spanien)
      Anthony McCarten, Der englische Harem (London)

      Liebe Grüsse und einen schönen Urlaub wünsche ich dir, masuko

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  3. P.S. Middlesex liegt hier bereits bereit für den Urlaubskoffer. Ebenso Wilde Schafsjagd. Alles Empfehlungen von Dir. Da kann doch nichts schiefgehen.

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  4. Liebe Masuko,
    vielen Dank für Deine Tipps. Von Ralf Rothmann werde ich auf alle Fälle eines von beiden nehmen. Von Jan-Philipp Sendker habe ich schon „Das Herzenhören“ gelesen und war begeistert.
    „Das etruskische Lächeln“ liegt hier dank Deiner Empfehlung auch schon bereit und „Das Erwachen der Senorita Prim“ habe ich ebenfalls schon gelesen. Auch ein tolles Buch.
    Tja und Anthony McCarten zählt zu meinen absoluten Lieblingsautoren. „Englischer Harem“ ist großes Kino. Ich liebe dieses Buch auch. Ich hatte sogar einmal das Glück Anthony McCarten im Rahmen einer Lesereise persönlich kennenzulernen und ein paar Worte mit ihm zu sprechen. Das war ein tolles Erlebnis. Hoffentlich gibt es bald wieder etwas Neues von ihm.

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    • Liebe leselilly,
      wow – du bist schon mal Anthony McCarten begegnet? Das ist ja beeindruckend.
      „Herzenhören“ von Sendker ist natürlich auch sehr schön :-).
      Ich hoffe, du hast nun genug Lesestoff für den Urlaub. Viele glückliche Lesestunden und tolle Erholung!

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