Mason Currey. Musenküsse. Die täglichen Rituale berühmter Künstler

Kreatives Pensum„Für mein kreatives Pensum gehe ich unter die Dusche.“, sagt Woody Allen. Er würde dann da gern 30 oder 45 Minuten lang so unter dem heißen Wasser stehen und seine Ideen entwickeln. Capote wiederum behauptet von sich, ein „durch und durch horizontaler Schriftsteller“ zu sein. Wenn er nicht liege, könne er nicht nachdenken. Dabei müsse er ständig paffen und nippen, „von Kaffee über Pfefferminztee hin zu Sherry und Martinis“. Auch Proust schrieb ausschließlich im Bett. In gekrümmter Haltung und das einzige Licht eine schwache grün bespannte Nachttischlampe. Unruhig und turbulent hingegen lebte Wolfgang Amadeus Mozart, der „um sechs Uhr früh schon allzeit frisiert, um sieben ganz angekleidet war“ (S. 104).

Wundervolle, lustige und herzerfrischende Anekdoten aus dem Leben großer Künstler hat Mason Currey in diesem schönen Büchlein aus dem Verlag Kein & Aber versammelt. Allein die Namen wecken allergrößte Vorfreude: Franz Liszt, Glenn Gould, Alice Munro, Samuel Beckett, Haruki Murakami, Frank LLoyd Wright – ein bunter Mix heute lebender und längst verstorbener genialer Persönlichkeiten.

Jeder von ihnen findet seinen eigenen Weg, um kreativ zu sein. Exzentrisch (Glenn Gould) oder zutiefst bescheiden (Agatha Christie). Chaotisch (Francis Bacon) oder absolut akribisch (Franz Kafka) . In vielen der kleinen Anekdoten finde ich mich wieder. Beispielsweise, wenn der Tag unbedingt mit einem Kaffee beginnen muss. Egal ob mit einem Café au lait (Marcel Proust) oder einer sorgfältig zubereiteten Tasse Kaffee aus 60 Bohnen – exakt abgezählt (Ludwig van Beethoven). Oder wenn Beethoven beim Spaziergang immer Notizbuch und Stift dabei haben muss, falls eine kreative Idee ihn überrascht.

Ich lese diese 88 Anekdoten morgens, mittags und abends. Beim ersten Kaffee, beim eiskalten Glas Wasser oder nachts beim Tee. Sie amüsieren und sie begeistern mich. Entsteht Kreativität eher doch nebenbei?

Musenküsse_Mason_CurreyIm Vorwort erzählt der in Los Angeles lebende Autor, dass er an  einem öden Büro-Tag (er sollte einen Artikel für eine Architekturzeitschrift schreiben) im Internet nach Arbeitsgewohnheiten anderer Autoren gestöbert und sich dabei großartig unterhalten hätte. Entstanden  sei daraus zuerst die Idee für seinen Blog Daily Routines (der allerdings nicht mehr aktiv ist) und später das Buch dazu. Currey fragt nicht nach den Werken jener Künstler, er will wissen, woraus sie schöpfen, wie sie zu Kreativität und letztendlich auch Produktivität gelangen. Diese Anekdoten zu lesen inspiriert und macht garantiert glücklich! Jeder kleine Text ist wie das Türchen eines Adventkalenders.

So, jetzt Licht aus und Kerzen an. Leise klimpert Klaviermusik aus meinen Boxen. Dazu einen Tee und ein paar Zimtmandeln, Plätzchen und Marzipankartoffeln. Als nächstes will ich wissen, was Alice Munro anstellt, um kreative Gedanken zu entwickeln. Oder doch erst lesen, wieHaruki Murakami das macht?

Euch allen einen schönen Dritten Advent.

Mason Currey. Musenküsse. Die täglichen Rituale berühmter Künstler. Aus dem Amerikanischen von Anna-Christin Kramer. Verlag Kein & Aber Zürich – Berlin. 2014. 256 Seiten. 14,90 €

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8 Antworten zu “Mason Currey. Musenküsse. Die täglichen Rituale berühmter Künstler

  1. ohhh….welch tolle Idee….ich denke, dass MUSS ich haben! Danke für den Beitrag 🙂 !

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  2. Danke für den Gruß und viel Spass beim lesen.

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  3. Uaah, nach deiner Rezension ist mir wieder eingefallen, dass ich dieses Buch unbedingt lesen wollte! Wobei es sich sicher gut auch unterm Weihnachtsbaum verschenken und dann später ausleihen lässt 😉 Lg, Karo

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    • Hm, das ist sicher eine Lösung mit dem Verschenken. Es ist aber auch toll, wenn man jederzeit reinschauen kann. Vielleicht hast du gerade was von Patricia Highsmith gelesen und fragst dich, wie das jetzt mit ihr und der Kreativität ist …
      Schöne Grüße, Masuko

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  4. Danke für diesen großartigen Buchtipp, das Buch wäre sonst wohl gänzlich an mir vorbeigegangen! 🙂

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  5. Nun ich werde mal wieder ganz dezent auf deine großartige Rezension hinweisen. Ich liebe das Buch und bei Kafka musste ich doch sehr schmunzeln. Beethoven bin ich ähnlich ohne Notizbuch und Stift, sowie ein Buch geht nichts.

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