Lesung mit dem kanadischen Autor Ryad Assani-Razaki

Ryad Assani-RazakiIm Heimathafen Neukölln war der Autor des Romans „Iman“ heute zu Gast. Die Veranstaltung, organisiert vom Verlag Klaus Wagenbach, war ausverkauft. Und – klar, dass ich auch dort war, hatte mich doch der Roman bereits am Jahresanfang sehr fasziniert (kann man nachlesen unter meiner Rezension zu Assani-Razaki: Iman). Nun wollte ich den Autor selbst erleben. Was für ein Mensch steht hinter der bewegenden Geschichte von Toumani, Iman und Alissa? Ist es eine autobiographische Story oder reine Fiktion? Wird Assani-Razaki noch mehr Romane schreiben?

Auf der Bühne saß ein absolut symphatischer, sehr kluger und irgendwie bescheiden wirkender Autor (das obige Foto ist nicht aktuell aus dem Heimathafen). An seiner Seite die Übersetzerin Sonja Finck und die Journalistin Katharina Teutsch. Die deutschen Passagen des Buches wurden hervorragend gelesen von Denis Abraham, der sich mit seiner Stimme und seiner Mimik vollkommen in die Rollen von Toumani und Alissa eingefühlt und sie wunderbar interpretiert hat. Da vorne auf der Bühne sprach Toumani! Ja! Jetzt wußte ich auch wieder, was ich an dem Roman so gemocht habe: die Beschreibung der Innenwelten der Figuren, die wechselnden Sichtweisen von Toumani, Alissa oder der alten Hadscha – das ist große Erzählkunst. Man will mehr von diesem Autor. Auch wenn die Frage nach einem weiteren Roman nicht klar mit Ja beantwortet wurde, so sagte Assani-Razaki doch, dass er weiterschreiben möchte (neben seinem Beruf als Programmierer). Schreiben aus Leidenschaft, nicht um Geld zu verdienen! Er sammele Eindrücke und Ideen.

„Iman“ ist eine fiktive Story. Die Figuren sind aus Geschichten, die ihm erzählt wurden entstanden, weder Toumani noch Alissa gibt es in der Realität. Auch hat Assani-Razaki nie auf der Straße leben müssen, er ist in einer wohlhabenden Familie aufgewachsen. Der Grund seiner Emigration im Jahr 1999 war das Studium. Benin ist ein sehr armes Land – es gibt kaum Chancen für eine Zukunft. Will man studieren, muss man das Land verlassen.

Ist Europa für die Menschen Afrikas ein Sehnsuchtsort? Was zieht sie nach Europa? Was treibt sie zu Hunderten auf die Boote und ins Ungewisse? Ohne verallgemeinern zu wollen, betont Assani-Razaki, könne er nur für sich und einen kleinen Kreis von Menschen aus Benin sprechen. Er sagt, es sei nicht der Glaube oder die Hoffnung, dass es besser werden könnte in Europa. Es ist die Gewissheit, dass es schlimmer nicht werden kann. Es ist die Flucht vor dem Elend.

Er spricht auch von den Veränderungen in Benin. Früher sei es normal gewesen, sich in großen Familien durch Weitergabe der eigenen Kinder zu helfen. Eine weitere Normalität sei, dass Kinder in der Landwirtschaft e.t.c mitarbeiten. Spätestens mit 16 Jahren endet die Kindheit. Seine Leser in Benin hätten ganz normal auf diese Problematik in „Iman“ reagiert. Für Europäer hingegen sei das ein Schock gewesen, da hier die Meinung vorherrsche, Kinder müssten wohlbehütet bei den Eltern aufwachsen. Tragisch sei allerdings, dass – wie im Roman beschrieben – Kinder seit einiger Zeit auch gegen Geld weitergegeben werden. Und mit dem Geld sei die Gewalt dazu gekommen. Dagegen wolle er anschreiben. Und so bleibt für uns Leser die Hoffnung auf einen weiteren Roman.

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2 Antworten zu “Lesung mit dem kanadischen Autor Ryad Assani-Razaki

  1. Hallo Jacqueline,

    vielen Dank für deine Schilderung der Lesung mit Ryad Assani-Razaki! Am letzten Montag war Assani-Razaki auch in Hamburg zur Lesung und ich hatte mir, aus denselben Gründen wie du, fest vorgenommen, dorthin zu gehen. Nur kam mir dann ein Magen-Darm-Virus dazwischen: ärgerlich. Zum Glück habe ich dafür wenigstens eine schöne Beschreibung einer seiner Lesungen, vielen Dank dafür!

    LG
    Kevin

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    • Oh, sehr gern! Und danke für deine Worte.
      Wie schade, dass du ihn nicht sehen konntest in Hamburg. Aber er will ja weiterschreiben, vielleicht gibt es dann die Chance, ihn mit seinem neuen Roman zu erleben 😉

      Schöne Grüße, masuko

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