Haruki Murakami. Die unheimliche Bibliothek. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe

Die unheimliche Bibliothek von Haruki MurakamiHerrTazaki 001Nur noch 30 endlose Tage, bis  Murakamis neuer Roman „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ erscheint!!!!!

Ich tröste mich (und vielleicht auch euch) mit seinen im Dumont Verlag erschienenen Erzählungen, die Kat Menschik liebevoll illustriert hat.

Jemandem zu beschreiben, der noch nie Murakami gelesen hat, warum man jedes Wort dieses einzigartigen Autors in sich aufsaugen möchte, ist wahrscheinlich kompliziert. Ich gehöre zu den Lesern, die nach gewisser Zeit ohne einen Roman oder eine Erzählung von ihm Entzugserscheinungen bekommen. Dagegen gibt es nur ein Mittel: Lesestoff. Ich gehe an mein Regal ….

Diesmal wähle ich „Die unheimliche Bibliothek“, eine Erzählung aus dem Jahre 2005.  Darin geht es um einen  Jungen, der zur Bibliothek läuft, um sich diverse Bücher über die Steuereintreibung im Osmanischen Reich auszuleihen. Ein grummeliger alter Mann gibt ihm zwar zwei zerlesene Exemplare, zwingt ihn aber gleichzeitig, ihm in ein labyrinthartiges Gewölbe unter der Bibliothek zu folgen. Nur hier dürfe er lesen. Ausleihen unmöglich –

„Mir wurde unbehaglich zumute. Um ehrlich zu sein, war ich keineswegs sonderlich erpicht, etwas über die Steuern im Osmanischen Reich zu erfahren. Doch hatte sich mir auf dem Heimweg von der Schule unvermittelt die Frage gestellt: Wie haben die eigentlich damals im Osmanischen Reich die Steuern eingetrieben? Und wenn ich etwas nicht wusste, ging ich immer sofort in die Stadtbücherei, um es herauszufinden. Schon von klein auf.“ (S. 10)

Im weiteren Verlauf dieser phantastisch anmutenden Story steht überraschend der Schafsmann vor dem Jungen. Und ich glaube, das ist genau der Moment, wo man als erfahrener Murakami-Leser im reinen Glück ist. Nur wer „Die wilde Schafsjagd“ kennt, weiß wahrscheinlich um das Geheimnis des Schafsmannes – hier begegnet man ihm also wieder in seinem seltsam übergehängten Schafspelz mit den langen Ohren …                                                                                                             Alles ist so vertraut und doch wieder ganz anders. Murakami eben. Dann taucht das schöne stumme Mädchen auf. Doch existiert es wirklich? Ist sein Kuss auf die Wange des Jungen real oder geträumt?                                                                    Beide, der Schafsmann und das stumme Mädchen, warnen den Jungen vor einer großen Gefahr –

Viel zu schnell bewegt sich die Geschichte dann auf ihr Ende zu. Dank der beeindruckend schönen Illustrationen von Kat Menschick kann man aber beim Lesen inne halten und sich im Anblick der kleinen Kunstwerke verlieren. Und obwohl ich meine Bilder zu Geschichten lieber im Kopf entstehen lasse (Murakami ist ein virtuoser Zauberer ganzer Kopfwelten), genieße ich ihre Impressionen zu Murakamis Gedankenkosmos: schwarz glitzernde Diamanten, melancholisch, phantasievoll, mystisch..

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